Glückwünsche von diesen Männern bekommt Wolfgang Schäuble äußerst selten. Doch die früheren Finanzminister Theo Waigel (CSU), Hans Eichel und Peer Steinbrück (beide SPD) springen an diesem Tag – die Regierung nennt ihn historisch – über den Schatten ihrer Parteizugehörigkeit. "Ein Haushalt ohne neue Schulden, das ist der Traum jedes Finanzministers", sagte Eichel der Süddeutschen Zeitung. Waigel scherzte, er habe von allen Amtskollegen die beste Entschuldigung, dass er den Etatausgleich nie hinbekommen habe: "Ich hätte 1990 und 1991 einen ausgeglichenen Haushalt geschafft – habe mich dann aber doch dagegen entschieden, dafür die Wiedervereinigung abzusagen."

Es ist ein besonderer Tag für Schäuble. Das erste Mal seit 1969 will der Bund im kommenden Jahr wieder ohne neue Kredite auskommen, um seine Ausgaben von knapp 300 Milliarden Euro zu decken. In diesem Jahr plant Schäuble noch einmal eine Neuverschuldung von 6,5 Milliarden Euro. Strukturell, also unter Herausrechnung von Konjunktur- und Einmaleffekten, wird das Budget aber bereits ausgeglichen ausfallen.

Das ist auch Schäubles Verdienst: Er hat seine Kabinettskollegen trotz anspringender Konjunktur nicht mehr Geld ausgeben lassen. Doch dass die Bundesregierung die Karriere als dauerhafter Schuldenmacher erst einmal aussetzen kann, ist am Ende vor allem den Steuerzahlern zu verdanken. Sie haben in den vergangenen Jahren für stetig steigende Staatseinnahmen gesorgt.

In den vergangenen Jahrzehnten hatten sich die verschiedenen Regierungen immer wieder Geld geliehen, wie unsere Infografik vom Statistikportal Statista zeigt. Dadurch wuchs der Schuldenberg des Bundes auf 1,3 Billionen Euro. Für den Steuerzahler rächen sich die Ausgaben früherer Generationen jetzt: Jährlich werden rund 30 Milliarden Euro Zinsen fällig – das ist der zweitgrößte Einzelposten im Etat nach dem Sozialhaushalt. 

Tilgen kann die schwarz-rote Koalition die Altschulden aber vorerst auch nicht. So bleibt die Gesamtverschuldung zunächst stabil. Weil allerdings das Bruttoinlandsprodukt wächst, verliert sie gemessen an der Wirtschaftskraft aber langsam an Bedeutung.