Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, hat zum Auftakt seines Prozesses vor dem Landgericht München ein umfassendes Geständnis abgelegt. "Ich habe Steuern hinterzogen", sagte Hoeneß. "Mir ist bewusst, dass daran auch die Selbstanzeige nichts ändert. Ich habe gehofft, mit einer Selbstanzeige einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen." Sein Anwalt Hanns W. Feigen sagte, Hoeneß habe insgesamt 18,55 Millionen Euro hinterzogen. Das sind 15 Millionen Euro mehr als bislang bekannt. Die Summe ergibt sich aus Unterlagen, die Hoeneß erst wenige Tage vor dem Prozessbeginn einreichte. Was diese Aussagen für den Prozess bedeuten, war am Ende des ersten von vier Verhandlungstagen noch nicht abzusehen.

Laut der vor dem Landgericht München II verlesenen Anklageschrift soll Hoeneß 33 Millionen Euro nicht versteuert und damit 3,55 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. Die Staatsanwaltschaft legt dem Fußballmanager weiter zur Last, zu Unrecht 5,5 Millionen Euro an Verlustvorträgen aus seinen privaten Veräußerungsgeschäften gemacht und so seine Steuerschuld gedrückt zu haben (Az: W5 KLs 68 Js 3284/13).

Hoeneß sagte, er habe mit immensen Summen gezockt und keinen rechten Überblick mehr über Gewinne und Verluste gehabt. Unter dem Strich habe er in den Jahren 2003 bis 2009, auf die sich die Anklage bezieht, Verluste in Millionenhöhe gemacht. Dennoch sei ihm klar, dass er zwischenzeitliche Gewinne hätte versteuern müssen.

"Ich bin froh, dass jetzt alles transparent auf dem Tisch liegt. Mein Fehlverhalten bedauere ich zutiefst. Ich werde alles dafür tun, dass dieses für mich bedrückende Kapitel abgeschlossen wird." Er wolle alle Schulden nachzahlen. "Ich bin kein Sozialschmarotzer", sagte Hoeneß. In den vergangenen Jahren habe er rund fünf Millionen Euro für soziale Zwecke gespendet und in den vergangenen zehn Jahren mehr als 50 Millionen Euro an Steuern in Deutschland gezahlt.

Staatsanwalt wirft Hoeneß Steuerhinterziehung in sieben selbstständigen Fällen vor

Staatsanwalt Achim von Engel sagte, Hoeneß habe in den Jahren 2003 bis 2009 Kapitalerträge und Verkaufserlöse auf Konten der Schweizer Vontobel-Bank in seiner Steuererklärung dem Finanzamt Miesbach verschwiegen. Insgesamt wird Hoeneß beschuldigt, "durch sieben selbständige Handlungen gegenüber den Finanzbehörden unrichtige oder unvollständige Angaben gemacht und dadurch Steuern verkürzt zu haben", heißt es im Anklagesatz. Die Selbstanzeige von Hoeneß erwähnte der Staatsanwalt nicht.

Das Verfahren findet 14 Monate nach Hoeneß' Selbstanzeige statt. Es soll klären, ob der 62-Jährige wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ins Gefängnis muss. Ein Urteil wurde am Donnerstag erwartet, jedoch schloss Gerichtssprecherin Andrea Titz am Ende des ersten Prozesstages nicht mehr aus, dass weitere Termine erforderlich werden könnten, um zu klären, wie viele Millionen Hoeneß tatsächlich hinterzogen hat.

Bereits Stunden vor Prozessbeginn hatten sich vor dem Münchner Justizpalast Schaulustige versammelt, um 6 Uhr war schon rund die Hälfte der Zuschauerplätze besetzt. Im Umkreis des Gerichts standen zahlreiche Polizei- und Übertragungswagen.  

Erster Hinweis 2012

Drei von insgesamt vier Zeugen des Verfahrens wurden bereits am ersten Prozesstag gehört. Ein Stuttgarter Steuerbeamter sagte, er habe bereits 2012 einen Hinweis auf den FC Bayern, aber nicht auf Hoeneß bekommen. Ein Journalist habe sich mit Fragen gemeldet. Dem Journalisten habe jemand mit der Aussage gefehlt, dass ein Schweizer Nummernkonto dem FC Bayern gehöre. Andererseits seien die Angaben zu vage gewesen, um sie weiter zu verfolgen. Der Journalist habe auch die Nummer des Kontos nicht herausgeben wollen.

"Der Name Hoeneß, das kann ich definitiv sagen, ist zu keinem Zeitpunkt gefallen." Er habe seine Münchner Kollegen informiert. Der dort damit betraute Steuerbeamte habe nach "Ausschlussverfahren" vermutet, dass es sich um Uli Hoeneß handeln könnte. Er habe am 17. Januar 2013 einen Aktenvermerk geschrieben – am Morgen dieses Tages war bereits die Selbstanzeige eingegangen. Ein weiterer am Montag geladener Zeuge wollte nicht vernommen werden. Deshalb wurde seine frühere Aussage verlesen.

Monatelang war über angeblich hohe Millionensummen auf einem geheimen Schweizer Konto spekuliert worden, das Hoeneß im vergangenen Jahrzehnt zu intensiven Börsenspekulationen nutzte. Die Anklageschrift wurde bis zum Prozessbeginn unter Verschluss gehalten. Weder Staatsanwalt Achim von Engel als Vertreter der Anklage noch die drei Verteidiger von Hoeneß äußerten sich im Vorfeld des Prozesses.