Hryvnia – ausgesprochen etwa: Rivna – heißt die ukrainische Währung. Und seit Wochen befindet sie sich im freien Fall. Allein seit Jahresanfang verlor sie knapp ein Fünftel ihres Werts gegenüber dem Dollar, inzwischen liegt der Kurs bei etwa zehn Hryvnia je Dollar. Im Februar hatte die Nationalbank die Bindung an den US-Dollar aufgehoben. Die Folgen waren dramatisch: Die Flexibilisierung ließ den Wert der Hryvnia so stark wie in keinem anderen Land der Welt einbrechen.

Der Verfall der Währung zeigt, wie schlimm es um die ukrainische Wirtschaft steht: Das Wirtschaftswachstum lag im vergangenen Jahr bei genau 0,0 Prozent, die Arbeitslosenquote steigt seit Monaten, Investoren ziehen ihr Kapital ab. Das Land hat sich nie wirklich von der globalen Finanzkrise erholt. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit der Ukraine Ende Februar zum zweiten Mal binnen drei Wochen ab.

Kiew hat kaum noch Möglichkeiten, den Kurs der Währung zu stabilisieren. Allein 2013 sanken die ausländischen Währungsreserven der ukrainischen Zentralbank um 16 Prozent. Seit Jahresbeginn gingen sie sogar noch einmal um knapp 25 Prozent zurück. Auf magere 15,5 Milliarden US-Dollar sind die Devisenreserven mittlerweile zusammengeschrumpft, ein Rekordtief. Solche Zahlen alarmieren Ökonomen wie Jens Boysen-Hogrefe. "Wechselkurs-Risiken sind extrem schwer zu händeln, vor allem, wenn die ökonomische Lage so fragil ist", sagt der Wissenschaftler am Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Hinzu kommt der hohe Kapitalbedarf der Regierung. Bis 2015 muss das Land Schulden in Höhe von 17 Milliarden Dollar refinanzieren. Das entspricht etwa einem Zehntel des Bruttoinlandsprodukts, eine enorme Summe.

Die schwierige ökonomische und finanzielle Lage macht Politikern und Beamten im rund 2.000 Kilometer entfernten Brüssel große Sorgen. Schließlich hat die EU kein Interesse, dass in den kommenden Monaten an ihrer östlichen Außengrenze ein Land kollabiert und in die Pleite rutscht.

Die EU-Kommission stellt daher ein milliardenschweres Rettungspaket in Aussicht: Insgesamt elf Milliarden Euro will sie in den kommenden Jahren der Ukraine zur Verfügung stellen. Kurzfristig fließen drei Milliarden Euro nach Kiew – 1,6 Milliarden in Form eines Kredites und 1,4 Milliarden an direktem Hilfsgeld, das nicht zurückgezahlt werden muss. Ziel sei es, der "Ukraine nachhaltig aus ihrer schwierigen wirtschaftlichen Lage zu helfen und den wirtschaftlichen und politischen Übergang des Landes zu unterstützen", heißt es in einem Memo der EU-Kommission.

Das Geld stammt aus verschiedenen Quellen: Zum einen nimmt die EU-Kommission direkt Kredite am Kapitalmarkt auf und reicht sie an die Ukraine weiter (Makrofinanzhilfen), zum anderen zweigt Brüssel Geld aus dem EU-Haushalt ab.

Die finanzielle Unterstützung gibt es nicht ohne Gegenleistung. Wie immer, wenn die EU schwächelnden Staaten finanziell unter die Arme greift, macht sie Auflagen. Diesmal ist es nicht – wie im Fall der Rettungsprogramme für die Euro-Krisenstaaten – eine Troika aus IWF, EU und EZB, die Bedingungen stellt. Sondern diesmal sind die Kredite und Finanzhilfen an ein großes Reformprogramm gebunden, das die Ukraine allein mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aushandeln muss.