Viele Politiker haben positiv auf das Urteil gegen Uli Hoeneß reagiert. Als eine der Ersten äußerte sich nach dem Richterspruch die Vorsitzende des Bundestagsrechtsausschusses, die Grünen-Politikerin Renate Künast. Sie hält das Urteil für richtig. "Die Haftstrafe ohne Bewährung war unausweichlich. Angesichts der riesigen Summen konnte das Gericht nicht anders entscheiden." 

Der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner schrieb auf Twitter: "Das Urteil aus München wirkt gerecht, weil es um erhebliche Kriminalität gegen das Gemeinwesen geht und die Tat nicht strittig ist." Ähnlich äußerte sich der SPD-Finanz- und Steuerexperte Joachim Poß: "Das Urteil nimmt, glaube ich, das Rechtsempfinden der Menschen ernst."

Sahra Wagenknecht von der Linkspartei sagte: "Hoeneß hat mit der Hinterziehung von über 27 Millionen Euro Steuern und einer fehlerhaften Selbstanzeige kriminelle Energie gezeigt. Es hätte das Rechtsempfinden der Bevölkerung erheblich verletzt, wenn die großen Fische immer davonkommen, während kleinen Selbständigen wegen einer verspäteten Umsatzsteuerklärung saftige Strafen drohen."

Zurückhaltender äußerte sich CSU-Chef Horst Seehofer: "Ich bin zuallererst menschlich betroffen, weil eine Freiheitsstrafe natürlich für jeden Menschen, und damit auch für Uli Hoeneß, ein gravierender Eingriff ist." Als Politiker und Ministerpräsident habe er das Ergebnis eines rechtsstaatlichen Prozesses zu respektieren.

FC Bayern München äußert sich frühestens am Freitag

Der FC Bayern München wolle sich nicht zu dem Urteil äußern, sagte Mediendirektor Markus Hörwick. Jedoch ist der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG kurzfristig zu einer Beratung zusammenkommen. Er will zeitnah – aber nicht vor Freitag – über das Ergebnis seiner Beratungen informieren, teilte der Autobauer Audi mit. Audi-Chef Rupert Stadler ist einer der beiden Vizechefs des Aufsichtsrats, dem Hoeneß vorsitzt. 

Die Internetseite des Vereins war am Nachmittag vorübergehend nicht mehr erreichbar. Auf der Facebook-Seite des FC Bayern gingen die Meinungen der Fans auseinander: Während einige die Haftstrafe für Hoeneß wegen Steuerhinterziehung für gerechtfertigt hielten, stellten andere sich hinter den Bayern-Boss. Vor dem Münchner Justizpalast protestierten mehrere Dutzend FC-Bayern-Fans gegen das Urteil.

Fußball-Funktionäre erinnern an Hoeneß' Verdienste

Fußball-Funktionäre äußerten sich zurückhaltend und erinnerten an Hoeneß' Verdienste für den deutschen Fußball. Ligapräsident Reinhard Rauball sagte: "Das Gericht hat das Urteil nach einem gründlichen rechtsstaatlichen Verfahren gefällt. Angesichts des Strafrahmens des Gesetzes war eine derart harte Sanktion nicht ausgeschlossen." Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, sagte: "Die Dimension des gesamten Vorgangs, wie er in den letzten Tagen publik wurde, hat auch uns als DFB überrascht". Hoeneß habe für Bayern München und den deutschen Fußball Großes geleistet, doch auch für ihn müsse "das gleiche Recht wie für jeden anderen gelten", sagte er.