Uli Hoeneß ist ein rechtskräftig verurteilter Straftäter. Verteidigung wie Staatsanwaltschaft haben nach dem Urteil des Münchner Landgerichts auf eine Revision verzichtet, der ehemalige Präsident des FC Bayern München wurde zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Der Prozess ist also beendet, Hoeneß der Steuerhinterziehung überführt. Doch die Fragen hören nicht auf, Zweifel an den Angaben des früheren Präsidenten bleiben. Der Grund dafür ist auch der Prozess selbst.

Das Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz hat wichtige Zweifel und Fragen im Fall Hoeneß in seiner neuesten Ausgabe unter dem Titel Uli, der Zauberer zusammengefasst. Der Kern der Vorwürfe lautet dabei: Das ungewöhnliche Schnellverfahren vor dem Münchner Landgericht habe eine umfassende Aufklärung verhindert, wichtige Widersprüche blieben deshalb ungeklärt.

Zum einen die Frage, wer eigentlich für die vielen Transaktionen von Hoeneß' Konto bei der Schweizer Bank Vontobel verantwortlich war. Der Ex-Fußballmanager musste schon während des Prozesses seine widersprüchlichen Angaben dazu erklären. Hoeneß hatte im Sommer 2013 zuerst gesagt, nur er habe gehandelt. "Ich rief keinen Banker an und sagte, mach mal, sondern ich habe das selbst gemacht", sagte er der ZEIT im Mai. Vor dem Münchner Landgericht erklärte er dann, er habe alles telefonisch über einen Bankmitarbeiter in der Schweiz gemacht – einen Mann, "dem ich hundertprozentig vertraue". Der Vontobel-Bank schob Hoeneß zumindest eine Mitschuld zu: "Das hat die Bank von sich aus gemacht" oder "Das habe ich gar nicht gemerkt", wurde er zitiert.

Persönlicher Anruf für jede Order

Bilanz berichtet nun, Hoeneß sei als Trader beim Prinzip Execution only geblieben, das für jede Order einen persönlichen Kundenauftrag verlange. "Anders als er vor Gericht behauptet, musste er also am Telefon jede Order durchgeben." Das Magazin beruft sich bei seinen Recherchen auf Angaben der Steuerfahnderin Gabriele Hamberger sowie Zeitzeugen und Eingeweihte. Es ist eine Mischung aus Hinweisen, Indizien und Spekulationen, die Bilanz zusammengetragen hat, die in ihrer Summe aber schwerwiegende Fragen aufwerfen, die im Prozess hätten geklärt werden sollen.

Dem Bericht zufolge hat Hoeneß 1975 sein erstes Schweizer Konto eröffnet, seitdem insbesondere mit dem Bankhaus Vontobel beste Beziehungen gepflegt und sich mit seinem Bankbetreuer angefreundet, wie er selbst vor Gericht sagte. "Hoeneß wurde zum wichtigsten Privatkunden", schreibt das Magazin über die Verbindung. 

Mit enormen Finanzvolumen. Vor Gericht wurde die Summe, über die Hoeneß verfügte, mit ungefähr 155 Millionen Franken (etwa 127 Millionen Euro) angegeben. Dem Magazinbericht zufolge konnte er zwischenzeitlich aber auf Sicherheiten von 200 Millionen Euro zurückgreifen. Herkunft des Geldes: unbekannt.