Tag der Entscheidung für Uli Hoeneß: Sollte es keine weiteren Beweisanträge geben, wird das Landgericht München II am heutigen Donnerstag nach den Plädoyers über seine Steuerschuld urteilen. Theoretisch sind für den Präsidenten des FC Bayern München alle Optionen offen.

Im schlimmsten Fall würde Hoeneß mit der inzwischen angehäuften Steuerschuld von 27,2 Millionen Euro für bis zu zehn Jahre ins Gefängnis gehen. Die Verteidigung von Hoeneß hatte die während des Verfahrens gestiegenen Steuerschulden anerkannt. Ein Fall von einfacher Steuerhinterziehung würde mit Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft bestraft. Bei dem Bayern-Boss dürfte es sich jedoch inzwischen angesichts der gestiegenen Summen um einen besonders schweren Fall der Steuerhinterziehung handeln.

Uli Hoeneß setzt weiterhin auf seine Selbstanzeige und hofft auf ihre Gültigkeit. Sein Anwalt Hanns W. Feigen sagt, dass sämtliche Zahlen in der Selbstanzeige bereits enthalten gewesen seien. In dem Fall könnte das Verfahren noch eingestellt werden – und Hoeneß würde straffrei bleiben. Experten schätzen diesen Fall inzwischen als eher unwahrscheinlich ein.  

Verteidigung und Staatsanwaltschaft können nach dem Urteil in Revision gehen. Dann ist der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die nächste Instanz.  

Grünen-Chefin Peter: "Wer betrügt, der fliegt"

Die Aufsichtsräte der FC Bayern AG wollen weiterhin das Urteil abwarten, ehe sie eine Entscheidung über ihren Vorsitzenden treffen. Spitzenpolitiker äußern sich bereits vor der Urteilsverkündung kritisch: Grünen-Chefin Simone Peter hat Konsequenzen aus dem Steuerbetrug des Bayern-Präsidenten für dessen Sitz im Aufsichtsrat des deutschen Fußball-Rekordmeisters gefordert. "Edmund Stoiber muss als Mitglied im Aufsichtsrat des FC Bayern jetzt das Motto seiner Partei durchsetzen: 'Wer betrügt, der fliegt'", sagte Peter am Mittwoch in Berlin. Sie verwies auch auf die Verantwortung großer, namhafter Konzerne als Eigentümer: "Mir ist schleierhaft, wie auch die Anteilseigner adidas, Volkswagen oder Audi weiterhin am Aufsichtsratsvorsitzenden Hoeneß festhalten können." 

Bernd Riexinger, Chef der Linkspartei, fordert eine Haftstrafe ohne Bewährung für Hoeneß und warnt im Kölner Stadt-Anzeiger vor einem "Promibonus". "Der Bundesgerichtshof hat für Fälle, in denen mehr als eine Million hinterzogen wurde, klar festgestellt – wer betrügt, der sitzt", sagte Riexinger. Eine Bewährungsstrafe würde seiner Ansicht nach "dem Rechtsempfinden vieler Bürger widersprechen".