Von der Allianz Arena ins Landgericht München: Gestern Abend verfolgte Uli Hoeneß noch live den Einzug des FC Bayern ins Viertelfinale der Champions League. Am heutigen Mittwoch wird er sich die Aussagen zwei weiterer Zeugen im Steuerprozess anhören müssen. Ein Betriebsprüfer, der Hoeneß regelmäßig überprüft hat, ist geladen. Ebenso soll ein EDV-Mann des Finanzamtes Rosenheim befragt werden. Im Anschluss soll die Entscheidung fallen, ob bereits am Donnerstag ein Urteil gesprochen werden soll.  

Gestern hatte die geladene Steuerfahnderin aus Rosenheim als Zeugin für Verblüffung gesorgt: Nachdem Hoeneß am Montag gestanden hatte, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben, hatte die Steuerfahnderin eine Steuerschuld von mindestens 27,2 Millionen Euro ausgerechnet. In der Anklageschrift stand ursprünglich die Summe von 3,5 Millionen Euro. 

Mehrere Politiker hatten nach den neuen Erkenntnissen aus dem zweiten Prozesstag den Rücktritt von Hoeneß als Aufsichtsratschef und Bayern-Präsident gefordert. Grünen-Chefin Simone Peter forderte sogar eine Zeugenaussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Hoeneß-Prozess. Wenn Merkel Hoeneß über das Scheitern des Steuerabkommens mit der Schweiz vorab informiert habe, "wirft das viele Fragen auf", sagte Peter der Bild-Zeitung. Dazu müsse Merkel öffentlich Stellung beziehen. Damit "könnte sie auch eine wichtige Zeugin" im Prozess gegen Hoeneß sein, sagte die Grünen-Chefin.

Nach Bekanntwerden der neuen Zahlen muss Uli Hoeneß mehr denn je eine Freiheitsstrafe befürchten. Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, geht fest von einer Freiheitsstrafe aus. "Bei einer Strafe von über zwei Jahren ist keine Bewährung mehr möglich, und wenn man alle Strafen addiert, könnten es theoretisch bis zu 15 Jahre sein", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.