Die Steuerschuld von Uli Hoeneß liegt nach Angaben der Rosenheimer Steuerfahnderin vor dem Münchner Landgericht noch höher als vom Bayern-Präsidenten eingeräumt. Laut ihrer Aussage schuldet Hoeneß dem Fiskus mindestens 23,7 Millionen Euro und nicht 18,5 Millionen, wie er am ersten Prozesstag erklärt hatte. Die neue Summe ergebe sich aus der Neuberechnung seiner Steuern aufgrund der neu eingereichten Unterlagen. Und dies sei die "Best-Case-Rechnung" zu Gunsten von Hoeneß, sagte die Beamtin.

Die 23,5 Millionen Euro beziehen sich auf die Jahre 2003 bis 2006. Die Summe ergebe sich aus neuesten Daten über Devisengeschäfte. Hinzu dürften nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft noch die 3,5 Millionen Euro aus der ursprünglichen Anklageschrift kommen. Damit beläuft sich die Steuerschuld auf mindestens 27,2 Millionen Euro.

Schon am Vormittag hatte die Steuerfahnderin den Präsidenten des FC Bayern München schwer in Bedrängnis gebracht. Sie hatte ausgesagt, Hoeneß habe eine vor über einem Jahr erstellte Datei zu seinem geheimen Konto in der Schweiz erst kurz vor dem Prozess vorgelegt. 

Ein Wäschekorb voller Akten

Mit einem roten Wäschekorb voller Akten hatte die Steuerfahnderin am Dienstagmorgen den Saal 134 im Münchner Justizpalast betreten. Vor rund einer Woche habe Hoeneß' Verteidigung den Behörden einen USB-Stick mit Informationen über sein Schweizer Konto zukommen lassen, berichtete sie. Die "Grunddateien" der PDF-Dokumente seien aber schon am 18. Januar 2013, einen Tag nach der Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten, erstellt worden, sagte die Beamtin. Das habe die EDV-Abteilung der Finanzbehörde festgestellt.

Nach Ansicht der Steuerfahnderin sind die vorgelegten Unterlagen auch lückenhaft, zudem habe Hoeneß mehrere Fristen verstreichen lassen. 

Die Verteidigung sagte, die Datei sei nach und nach vervollständigt und erst kurz vor Prozessbeginn fertiggestellt worden. Nach Angaben der Steuerfahnderin hatten die Behörden Hoeneß und seinen Beratern die Gelegenheit gegeben, die Selbstanzeige nachzubessern. Erst danach leiteten sie ein Ermittlungsverfahren ein und durchsuchten im März 2013 das private Anwesen von Hoeneß. Der Bayern-Boss habe danach beim Finanzamt angerufen und sich für die "diskrete Durchführung der Durchsuchung" bedankt, sagte die Beamtin. Einen Monat später wurde die Selbstanzeige durch einen Medienbericht doch öffentlich.  

Vermutlich kein Urteil in dieser Woche

Ob der Prozess aufgrund der neuen Erkenntnisse verlängert werden muss, darüber will das Gericht am Mittwoch entscheiden, sagte Gerichtssprecherin Andrea Titz. Zuvor hatte sie eine Urteilsverkündung wie geplant an diesem Donnerstag als "nicht mehr sehr wahrscheinlich" bezeichnet. Für Mittwoch sind zwei zusätzliche Zeugen vor dem Münchner Landgericht geladen. Danach will das Gericht beschließen, ob weitere Verhandlungstage notwendig sind. Zudem habe die Verteidigung des FC-Bayern-Präsidenten nun Gelegenheit, die Berechnungen der Rosenheimer Steuerfahndung zu einer noch höheren Steuerschuld zu überprüfen.