Uli Hoeneß muss sich doch schon an diesem Donnerstag auf sein Urteil gefasst machen. Richter Rupert Heindl kündigte am dritten Verhandlungstag an, die Beweisaufnahme abschließen zu wollen. Gerichtssprecherin Andrea Titz präzisierte: "Wenn keine Beweisanträge mehr gestellt werden, können die Plädoyers und die Urteilsverkündung folgen." Vertreter der Staatsanwaltschaft erklärten, sie würden sich auf ihr Plädoyer vorbereiten.

Zuvor war der dritte Verhandlungstag im Steuerprozess um Uli Hoeneß nach nur gut einer Stunde beendet worden. Die Verteidigung des FC-Bayern-Präsidenten akzeptierte die von einer Finanzbeamtin auf 27,2 Millionen Euro bezifferte Steuerschuld. "Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran", sagte Hoeneß' Anwalt Hanns W. Feigen vor dem Landgericht München II. Überrascht gewesen sei man von dieser Summe nicht, fügte er hinzu. "Wir sind ja nicht dämlich!", sagte Feigen. In der Selbstanzeige, die Hoeneß am 17. Januar 2013 eingereicht hat, seien sämtliche Zahlen bereits enthalten.

Der 62-Jährige ist wegen Steuerhinterziehung über ein Schweizer Konto angeklagt. Die Staatsanwaltschaft bezifferte die Schadenssumme in ihrer Anklageschrift auf 3,5 Millionen Euro. Bereits am ersten Verhandlungstag korrigierte Hoeneß diese Summe aber um 15 Millionen Euro nach oben. Auch dieser neue Betrag hatte nicht lange Bestand: Eine Steuerfahnderin aus Rosenheim sagte am Dienstag im Prozess aus, dass Hoeneß dem deutschen Fiskus insgesamt 27,2 Millionen Euro schuldet.  

Hoeneß droht mehrjährige Haftstrafe

Diese Summe ist auch relevant für den Fall einer Verurteilung. Dies sagte Richter Rupert Heindl. Ihm zufolge geht das Gericht von den neuen Zahlen aus – und nicht von den 3,5 Millionen Euro, die Hoeneß in der Anklage ursprünglich vorgeworfen wurden.    

Ihm droht demnach im schlimmsten Fall eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren, sofern das Gericht einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung bejahen sollte. Allerdings geht die Verteidigung von Hoeneß nach wie vor davon aus, dass eine von dem Fußballfunktionär eingereichte Selbstanzeige gültig ist und ihr Mandant so vor dem Gefängnis bewahrt wird.


Aufschluss darüber sollten auch die beiden letzten Zeugen geben, die indes nur noch kurz befragt wurden. Zunächst schilderte ein Betriebsprüfer, wie reguläre Steuerprüfungen in Deutschland beim Großverdiener Hoeneß abliefen. Demnach wird der FC-Bayern-Präsident automatisch überprüft, weil seine Einkünfte einen Betrag von 500.000 Euro im Jahr übertreffen.  

Zentrale Datei nicht zurückgehalten

Mit Spannung erwartet worden war schließlich die Aussage eines EDV-Experten im Finanzamt Rosenheim, der Aufschluss geben sollte über ein Dokument mit den Schweizer Bankdaten von Hoeneß. Wie der Mann aussagte, wurde die Datei zwar tatsächlich bereits vor über einem Jahr – und zwar schon am 18. Januar 2013 um 16:21 Uhr und damit nur einen Tag nach der Selbstanzeige – erstellt, aber danach noch mehrfach verändert. "Das bedeutet", so der Zeuge, "dass zumindest ein Element in dieser Datei erstellt wurde. Es bedeutet aber nicht, dass sie abgeschlossen wurde".

Die Hoeneß-Anwälte hatten die komplette Datei erst wenige Tage vor Prozessbeginn an die Steuerfahndung übergeben. Daraus war der Vorwurf entstanden, sie hätten Material zurückgehalten. Nach Ansicht der Verteidigung ist dieser Vorwurf durch die Aussage des EDV-Experten vom Tisch. Diese These sei "reiner Unfug" gewesen, sagte Hoeneß-Anwalt Feigen.