ZEIT ONLINE: Wie reagieren Sie auf den jahrelangen Neuland-Betrug?

Reinhild Benning: Wir sind betroffen und dankbar, dass einem Betrüger das Handwerk gelegt wurde. Da war offensichtlich viel kriminelle Energie im Spiel. 

ZEIT ONLINE: Muss Neuland auch etwas an den Kontrollen verändern?

Benning: Ja, Neuland muss sich bei den Kontrollen neu aufstellen.

ZEIT ONLINE: Was heißt das konkret?

Benning: Aus unserer Sicht muss der Warenfluss zwischen den verschiedenen Ebenen in der Erzeugung besser kontrolliert werden. Es gibt gute Kontrollen auf den Mastbetrieben, Schlachthöfen und Fleischereien selbst. Aber der Warenfluss zwischen den verschiedenen Ebenen wurde offensichtlich nicht engmaschig genug kontrolliert. 

ZEIT ONLINE: Blieb wegen dieser fehlenden Kontrollen so lange unentdeckt, dass der Hauptlieferant für Neuland-Geflügel jahrelang betrogen hat?

Benning: Die Neuland GmbH, an die Herr L. sein Geflügel verkauft hat, hätte den Warenfluss genauer überprüfen lassen müssen. Diese Schwäche in der Kontrolle wird nun unverzüglich behoben. 

ZEIT ONLINE: Der Vertrieb ist also Schuld, dass der Betrug unentdeckt blieb?

 Benning: Die Verbände sind daran beteiligt, das Kontrollsystem zu erstellen. Wir wollen die Verantwortung nicht von uns weisen. Der BUND ist Mitgründer und Mitträger beim Verein Neuland. Die technischen Details der Kontrolle muss jedoch das Wirtschaftsunternehmen selbst klären.

ZEIT ONLINE: Ist es möglich, dass Neuland noch von anderen Bauern betrogen wird?

Benning: Ich gehe davon aus, dass das ein Einzelfall war.

ZEIT ONLINE: Nimmt auch der BUND Schaden?

Benning: Aus Sicht des BUND ist Neuland weiterhin eine gute Möglichkeit für konventionelle Landwirte, die ihre Tierhaltung umstellen wollen, aber ihre Felder noch konventionell bewirtschaften. Viele Betriebe steigen später im nächsten Schritt  auf ökologische Landwirtschaft um. Ökolandbau mit vollständiger Betriebsumstellung findet der BUND natürlich noch besser.

ZEIT ONLINE: Ist dieser Zwischenschritt noch nötig?

Benning: Ja, mehr denn je. Die industrielle Mast führt dazu, dass die Tierhaltung immer mehr in die Hände von internationalen Investoren und in Großbetriebe übergeht und Billigfleisch die Standards der Fleischproduktion insgesamt nach unten zieht. Wenn wir wollen, dass Bauernhöfe statt Agrarfabriken Tiere halten, brauchen Landwirte wirtschaftliche Ausstiegschancen aus der Massentierhaltung.

ZEIT ONLINE: Der ehemalige Neuland-Bauer L. beklagt sich, als Neuland-Landwirt könne man nicht überleben.

Benning: Das stimmt nicht, Neuland zahlt mehr als die konventionellen Verkäufer. Selbstverständlich würde Neuland gerne mehr bezahlen, aber das machen im Moment nur wenige Verbraucher mit, zumal Discounter-Fleisch unterhalb der Produktionskosten, also zu Dumpingpreisen anbieten. Daher muss die Politik handeln und endlich ein Anti-Dumping-Gesetz für Fleisch verabschieden.