Griechenland kehrt nach vier Jahren erstmals wieder an die Kapitalmärkte zurück. Das Athener Finanzministerium kündigte an, dass internationale Banken beauftragt worden seien, die Ausgabe einer Staatsanleihe mit fünfjähriger Laufzeit vorzubereiten. Eine Summe wurde noch nicht genannt. 

"Wir streben Einnahmen von bis zu 2,5 Milliarden Euro an", sagte ein ranghoher Regierungsmitarbeiter. Das Interesse der Anleger an dem Papier sei sehr groß. Marktteilnehmern zufolge strebt die Regierung in Athen eine Rendite von weniger als fünf Prozent an.

Griechenland hat sich zuletzt im März 2010 mit Anleihen an den Markt gewagt, war seitdem aber wegen seiner massiven Überschuldung auf internationale Hilfe angewiesen. Es drohte ein Staatsbankrott, die Regierung musste einen rigiden Sparkurs durchsetzen. Um seinen Finanzbedarf zu decken, bekommt das Land seither Geld vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern. Athen will nun das Interesse der Anleger an seinen Staatspapieren testen, bevor es sich wieder vollständig über den Markt refinanziert.

Griechenland profitiert von Gesamtlage

Die griechische Regierung profitiert nun davon, dass Anleger Geld aus Schwellenländern abziehen. Allein Russland verlor im ersten Quartal mehr als 50 Milliarden Dollar. Da Anleihen mit erstklassiger Bonität – wie etwa von Deutschland – nur sehr niedrige Zinsen abwerfen, haben Investoren die Euro-Krisenländer wiederentdeckt, zumal diese auch konjunkturell Fortschritte machen. So wuchs die griechische Produktion im Februar mit 1,7 Prozent bereits den dritten Monat in Folge. Einen so langen Aufwärtstrend gab es seit 2007 nicht mehr.

Die Investoren fragen derzeit bereits die vor Jahren ausgegebenen griechischen Staatsanleihen nach. Die Rendite für richtungsweisende zehnjährige Staatstitel fiel in den vergangenen Tagen auf etwas mehr als sechs Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit 2010, was die hohe Nachfrage widerspiegelte.