Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ließ sich Anfang März dafür feiern, dass er für 2015 einen Haushalt ohne Neuschulden vorlegte. Es ist das erste Mal seit 1969, dass der Bund ohne neue Kredite auskomme, um seine Ausgaben zu decken. Doch tatsächlich gelang es Deutschland auch schon ohne Bemühungen eines Finanzministers, seinen Schuldenberg etwas abzubauen – erstmals seit 1991. Deutschland hatte zum Ende des vergangenen Jahres weniger Schulden als zwölf Monate zuvor. Das zeigt die Infografik, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Laut Bundesbank hatte Deutschland Ende 2013 rund 2,147 Billionen Euro Schulden nach 2,161 Billionen Euro am Ende 2012.

Als Hauptgrund für den Schuldenabbau nennt die Bundesbank, dass es den staatlichen Bad Banks gelang, einen Teil der bei ihnen gelagerten Schrottpapiere loszuwerden. Das wirkte sich mit 52 Milliarden Euro auf den Schuldenstand positiv aus. In den Bad Banks wurden die sogenannten toxischen Wertpapiere und Kredite der verstaatlichen Hypo Real Estate und der WestLB ausgelagert. Auf der anderen Seite belastete die Euro-Krise aber auch 2013 die Staatsfinanzen: Für zusätzliche Hilfsmaßnahmen mussten 20 Milliarden Euro aufgewendet werden, unter anderem für Kapital an den dauerhaften Rettungsschirm ESM.

Deutschlands Schulden liegen zwar nach vor wie weit über der in den EU-Verträgen erlaubten Obergrenze von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung, die sich im Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst. Doch sie sank 2013 wieder auf 78,4 Prozent; 2012 lag sie bei 81 Prozent. 

2007 hatte die Schuldenquote noch 65,2 Prozent betragen. In der Wirtschaftskrise gab der Staat aber viel Geld aus, wie die Infografik zeigt. Laut Bundesbank trieb die Stützung der Finanzmärkte nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers den Schuldenstand seit Herbst 2008 um 233 Milliarden Euro nach oben; mit dem Aufflammen der Staatsschuldenkrise kamen weitere 84 Milliarden Euro an Hilfsmaßnahmen hinzu.

Bis die deutsche Schuldenquote die in den Maastrichter EU-Verträgen festgelegte Obergrenze von 60 Prozent wieder unterschreitet, dürfte es aber noch einige Jahre dauern. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel hält es für sehr wahrscheinlich, dass das 2020 wieder der Fall sein wird – "vorausgesetzt, es kommt keine große Rezession dazwischen und die Politik weicht die Schuldenbremse nicht auf", sagt IfW-Experte Jens Boysen-Hogrefe.