Wer arm oder von Armut bedroht ist, bestimmt ein von der EU gesetzter Standard: Demnach gelten Menschen als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in einem Landes zur Verfügung haben.

In Deutschland waren nach dieser Definition 2012 18,9 Prozent aller Kinder armutsgefährdet. In Ostdeutschland lag die Quote basierend auf Daten des Mikrozensus bei 25,7 Prozent: Jedes vierte Kind ist von Armut bedroht. In Westdeutschland lag die Quote bei 17,6 Prozent.

Am höchsten ist sie mit 33,7 Prozent Bremen, gefolgt von 33,5 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 26,9 Prozent in Berlin, wie unsere Infografik zeigt, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Aber auch im reichen Hamburg sind 21,3 Prozent aller Kinder von Armut bedroht. Besonders niedrig ist die Quote beispielsweise in der Oberpfalz (9,9 Prozent) und in Schwaben (11,6 Prozent).

Die Quoten in Ost- und Westdeutschland hätten seit 2005 deutlich angenähert, heißt es in einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die die Daten ausgewertet hat. In einigen Regierungsbezirken in Nordrhein-Westfalen hat sich die Lage verschlechtert, dort wachsen immer häufiger Kinder in armen Familien auf. 

Aber was bedeutet Armut oder Armutsgefährdung für Familien konkret? An was wird gespart? Um das herauszufinden, haben Ökonomen in einer Umfrage Haushalte gefragt, ob bestimmte Gegenstände vorhanden und bestimmte Aktivitäten möglich sind.

38,4 Prozent der befragten armen Haushalte in Ostdeutschland gaben laut Böckler-Stiftung an, kein Auto zu besitzen. Für 71,5 Prozent war ein einwöchiger Urlaub im Jahr nicht möglich. 70,9 Prozent gaben an, keinen festen Betrag pro Monat sparen zu können. In Westdeutschland waren die Quoten nur unwesentlich niedriger. Ausreichend Winterkleidung war in 12,1 Prozent der ostdeutschen Haushalte nicht vorhaben, in Westdeutschland waren es 9,7 Prozent.