Seit gut einem Jahr ist Hartmut Mehdorn BER-Flughafenchef in Berlin. Er hat auf ganzer Linie versagt. Nicht, weil der neue Flughafen in Schönefeld noch immer so menschenleer ist wie ein beliebiger, ausgedienter sowjetischer Luftwaffenstützpunkt in Brandenburg; Zeugnis seines Scheiterns ist auch nicht die neue Milliarde, die Mehdorn für die Finanzierung des Rohbaus braucht. All das wäre noch zu verschmerzen: Der Skandal ist, dass Mehdorn keine neue Zahlen präsentiert, sondern alte.

Schon im August vergangenen Jahres wurde berichtet, dass der Flughafen realistischerweise nicht vor Ende 2015 öffnen werde und dass zusätzlich mindestens eine Milliarde Euro benötigt werde. Seitdem sind acht Monate vergangen. Passiert ist: nichts. 

In internen Unternehmenspräsentationen schwor Mehdorn die Mitarbeiter in jenem August auf "fertigmachen und loslegen" ein. Doch er selbst verrannte sich dann ein ums andere Mal in Themen, die für eine zügige Inbetriebnahme des Flughafens keine Rolle spielen. So verschwendete er monatelang viel Zeit und Ressourcen darauf, einen Testbetrieb im Nordpier des neuen Hauptstadtflughafens zu starten. Erst im Februar stoppte Mehdorn die geplante Aktion.

Mehdorn hat kein schlüssiges Konzept

Lange hat er sich mit solchen Kleinigkeiten im Gespräch gehalten als jemand, der nun endlich etwas bewegt an der Dauerbaustelle. Doch damit ist nun Schluss: Mehdorn gerät wegen zweier Fragen, auf die er keine echte Antworten hat, unter Druck.  

Zum einen: Wie kann es sein, dass Siemens zwei Jahre, nachdem der Brandschutz als Achillesferse des Flughafens erkannt wurde, noch immer nicht die vollständigen Unterlagen für die überfällige Neugestaltung des Brandschutzkonzeptes hat?

Zum zweiten: Warum räumt Mehdorn mit einer Beharrlichkeit Spitzenkräfte des Flughafens aus dem Weg, die eindringlich auf eine Vielzahl von Problemen hingewiesen haben?

Bis in den späten Abend hat der Aufsichtsrat am Freitag darüber mit Mehdorn diskutiert. Die Antwort kannten die meisten Kontrolleure allerdings schon vor der Sitzung.    

Mehdorn hat kein schlüssiges Konzept. Lange konnte er den Aufsichtsrat blenden, etwa, indem er eine Teileröffnung anstrebte. Ein billiges Ablenkungsmanöver, auf das der Aufsichtsrat zunächst gern hereinfiel. Endlich ging mal etwas voran am BER.  

Als die Öffentlichkeit dieses Schauspiel erkannte, warf Mehdorn seine Kritiker nach und nach aus dem Unternehmen. Zuletzt Harald Siegle, den Chef der Immobiliensparte. Siegle hatte in einem Brandbrief erst Mehdorn und Monate später den Aufsichtsrat über Missstände informiert. Arbeitsrechtlich könnte er dazu sogar verpflichtet gewesen sein. Mehdorn hingegen behandelte ihn wie einen Intriganten, der Interna ausplaudert – und kündigte Siegle fristlos.