Zur Mittelschicht gehört ein Haushalt demnach, wenn er über 70 bis 150 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. In Deutschland sind das bei einem Ein-Personen-Haushalt 1.150 bis 2.400 Euro netto im Monat. Bei einer vierköpfigen Familie mit zwei kleinen Kindern liegt die Spanne zwischen 2.400 und 5.100 Euro. Fast 60 Prozent der Deutschen sind demnach Teil der Mittelschicht. Andere Wirtschaftsforscher – zum Beispiel vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln – definieren die Gruppe soziokulturell. Demnach gehört dazu, wer mindestens die mittlere Reife und eine abgeschlossene Lehre vorweisen kann. Wissenschaftler, freiberufliche Ärzte und Beamte mit Führungsfunktion gehören bei diesem Modell bereits zur "soziokulturellen Oberschicht".   

Die Differenzierung mag auf den ersten Blick kleinkrämerisch wirken. Tatsächlich sind die unterschiedlichen Definitionen ein Grund dafür, dass es seit Jahren scheinbar widersprüchliche Angaben zur Entwicklung der "Mitte" gibt. Wer von Mittelschicht spricht, meint eben nicht immer dasselbe.

Bei allen Diskussionen wird zudem schnell die Frage vergessen, wie man Reichtum und Teilhabe eigentlich misst: Vermögen oder Einkommen?

Die einen bewerten das Aktienpaket und das Haus, die anderen den Gehaltsscheck. Denn richtig ist: Die Vermögen sind in Deutschland extrem ungleich verteilt. Das bedeutet aber nicht, dass die Einkommensschere auseinander geht. Das Gegenteil ist der Fall: Während die Ungleichheit bei den Einkommen von der Wiedervereinigung bis 2005 stieg, nahm sie danach laut DIW-Daten wieder ab. Die Frage, wie es einem im Vergleich zu anderen geht, ist also immer auch eine Sache der Perspektive.