Die Zahl der Selbstanzeigen von Steuerbetrügern ist durch den Prozess gegen Uli Hoeneß deutlich gestiegen. In den ersten drei Monaten seien rund 13.000 Selbstanzeigen bei den Finanzämtern eingegangen, berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf eine Umfrage unter den Ämtern. Das seien dreimal so viele wie im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor.

Der Zeitung zufolge war die Zahl in Bayern mit 2.030 fast viermal so hoch wie im Vorjahr, in Nordrhein-Westfalen (2.656) waren es fünfmal so viele. Ähnliche Anstiege habe es auch in Baden-Württemberg (2.669), Rheinland-Pfalz (1.684) und Hessen (1.327) gegeben. Im gesamten Vorjahr hatte es etwa 26.000 Selbstanzeigen gegeben.  

Die Finanzminister der Länder führen die Steigerung vor allem auf den Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten des FC Bayern München zurück, führen aber eine Reihe von Grünen an. "Der Fall Hoeneß, das gescheiterte Steuerabkommen mit der Schweiz und der Druck der Schweizer Banken auf deutsche Kunden, ihre Steuersituation zu erklären – das alles zeigt Wirkung", zitierte die Zeitung die Bremer Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne).

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) rechnet demnach damit, dass die Anzahl der Selbstanzeigen im Verlauf des Jahres noch einmal deutlich ansteigen wird. "Denn zum Anfang des kommenden Jahres wird die Selbstanzeige deutlich verschärft", sagte er. Sein nordrhein-westfälischer Amtskollege Norbert Walter-Borjans (SPD) kündigte an, er werde darauf achten, dass künftig Steuerhinterzieher mit einer Selbstanzeige nicht mehr besser gestellt sind als ehrliche Steuerzahler.

Hoeneß war zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Der 62-Jährige hatte zwar eine Selbstanzeige eingereicht. Das Gericht sah sie aber nicht als wirksam an.