Die Welt gehört denen, die noch Träume haben. Muhammad Yunus ist einer von ihnen, seit vielen Jahren schon. In Bangladesch hat der ehemalige Wirtschaftsprofessor mit den Mikrokrediten seiner Grameen-Bank vielen Menschen geholfen, sich aus der Armut herauszuarbeiten. Besonders mittellose Frauen haben von seiner Idee profitiert. Im Jahr 2006 erhielt Yunus dafür den Friedensnobelpreis. 

Als er 2007 eine eigene Partei gründen wollte, bekam er Ärger mit der Regierung in Dhaka, die ihn schließlich aus der Führung der Bank drängte. Das Träumen aber hat Yunus nicht aufgegeben. Und so sprachen wir jüngst in seinem Büro, aus dem man weit über die Zwölf-Millionen-Metropole Dhaka blickt, über sein Projekt, überall auf der Welt "soziale Firmen" zu gründen. Und über die Jugendarbeitslosigkeit in Europa.

Normalerweise gehe es im Geschäftsleben darum, Geld zu verdienen, sagt Yunus. "Gewinnmaximierung ist das Ziel. So hat man es uns immer erzählt. Ich bestreite das. Die Menschen sind keine Geld verdienenden Roboter."

Die Wirtschaftswissenschaft aber kenne nur den selbstsüchtigen Menschen und gründe darauf ihre Theorie, kritisiert Yunus. "Da irrt sie. Selbstsüchtigkeit und Selbstlosigkeit sollten beide zur Wirtschaftstheorie gehören, und wir sollten die Wahl haben: Wie selbstsüchtig und wie selbstlos wollen wir sein?"

Mit diesem Grundgedanken hat er vor Jahren begonnen, Firmen zu gründen: Firmen, die Probleme lösen sollen. "Wenn ich ein Problem sehe – ob bei Gesundheit, Arbeitslosigkeit, Energie oder Ernährung –, gründe ich eine Firma. Nicht, um Geld zu verdienen, sondern um das Problem zu lösen."

Diese Unternehmen zahlen keine Dividenden. Und dennoch findet Yunus, der unbeirrte Idealist, Partner auch in großen Konzernen, die seine Arbeit unterstützen – und sei es, um das eigene Gewissen zu beruhigen. "Yunus Social Business" ist heute in Haiti, Kolumbien, Brasilien, Mexiko, Tunesien, Uganda, Indien und Albanien aktiv.

Und die reiche Welt? Braucht sie die Träumer nicht? Mitte Mai veranstaltet Yunus im schwedischen Lund ein Social Business Forum. Dabei geht es um die Jugendarbeitslosigkeit in Europa.

"Die jungen Leute werden dafür bestraft, dass die Architektur der Wirtschaft nicht stimmt", glaubt Yunus. Oder seien sie etwa faul und unfähig? Nein, sie seien genauso fähig und voller Energie wie Jugendliche überall auf der Welt, wollten endlich ihre Chance im Berufsleben haben. "Wer nimmt ihnen ihre Rechte?"

Man sitzt im bettelarmen Bangladesch und denkt: Wie schön, dass sich hier jemand Gedanken macht über das reiche Europa mit seinen ganz eigenen Sorgen. Man muss wohl ein Träumer sein, wie Muhammad Yunus, um die Probleme, die man sieht, einfach anzupacken. Sich gar einzubilden, sie lösen zu können – anders als die Realisten, die immer nur die Schwierigkeiten sehen, nicht die Chancen.

Für Yunus ist schlicht jeder "ein Unternehmer". Er selbst jedenfalls hört nicht auf, etwas zu unternehmen. Und bedankt sich für den Nobelpreis bis heute mit immer neuen Ideen.