Einige Energiekonzerne denken über die Übertragung ihrer Atomkraftwerke an eine Stiftung nach, für deren Kosten am Ende der Steuerzahler aufkommen müsste. Während Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Idee der Energiekonzerne zurückgewies, begrüßte die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE) den Vorschlag. "Die Idee finde ich jetzt erst mal nicht schlecht", sagte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis beim DGB-Bundeskongresses in Berlin.

Zwar kenne er die Details des Vorschlags nicht, doch allein mit dem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomenergie sei der Abriss der Atomkraftwerke noch nicht organisiert, sagte Vassiliadis. Über den Umgang mit den dafür anfallenden Kosten müsse nun gesprochen werden.

Ein Branchenvertreter hatte am Wochenende einen Bericht des Spiegels bestätigt, wonach die großen Energieversorger E.on, RWE und EnBW ihr Atomgeschäft an eine Art Bad Bank abstoßen wollen. "Darüber gibt es Gespräche mit der Bundesregierung", sagte ein Branchenvertreter. Die Stiftung könne den Betrieb der Anlagen und auch den Abriss der Kernkraftwerke organisieren.

Konzerne lehnen Stellungnahme ab

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte jedoch, ein solcher Vorschlag sei nicht bekannt. Trotzdem betonte Hendricks: "Die uneingeschränkte Verantwortung für den sicheren Auslaufbetrieb, die Stilllegung, den Rückbau und die Zwischenlagerung des Atommülls liegt bei den Energieunternehmen."

Würde die Idee umgesetzt, könnten die Versorger die mit dem AKW-Abriss verbundenen Risiken auf die Regierung abwälzen. Im Gegenzug könnten sie einige ihrer Schadenersatzforderungen, die sich auf rund 15 Milliarden Euro summieren sollen, fallen lassen.

Den Angaben zufolge würden die Energiekonzerne rund 30 Milliarden Euro Rücklagen in die Stiftung einbringen, die sie für den Abriss und die Endlagerung des Atommülls gebildet haben. Für die Konzerne wäre eine Auslagerung der Atomkraftwerke auch deswegen interessant, weil diese wegen der gefallenen Strom-Großhandelspreise keine großen Gewinnbringer mehr sind. E.on, RWE und EnBW lehnten eine Stellungnahme bisher ab.