Der ostdeutsche Arbeitsmarkt hat seit Mitte der nuller Jahre eine Kehrtwende vollzogen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Bundesagentur für Arbeit, die der Wochenzeitung DIE ZEIT vorab vorlag. Die Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern und Berlin ging demnach zwischen 2005 und 2013 dramatisch – fast um die Hälfte – zurück. Die Zahl der bei der Bundesagentur gemeldeten freien Stellen hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. In vielen Branchen könnten die Stellen nur noch schwer nachbesetzt werden.

Zwar liegt die Arbeitslosenquote Ost mit 10,7 Prozent noch deutlich über derjenigen im Westen (5,9 Prozent). Insgesamt sind sich die Arbeitsmärkte in Ost und West aber laut der Erhebung noch nie so ähnlich gewesen. "Uns hat das selbst ein wenig überrascht", sagte Antje Weyh, Wissenschaftlerin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur. "Die Stellen, die heute in den neuen Ländern angeboten werden, gleichen denen in Westdeutschland immer stärker." Die strukturellen Unterschiede zwischen den Arbeitsmärkten in alten und neuen Ländern seien nicht mehr groß.

Weil die demografische Entwicklung in Ostdeutschland für einen zunehmenden Bedarf an Fachkräften sorge, könnte Ostdeutschland womöglich bald sogar im großen Stil auf Arbeitskräfte aus den alten Bundesländern zurückgreifen: Auf lange Sicht müssten die ostdeutschen Länder es schaffen, auch Leute aus dem Westen anzuwerben, sagte einer der Co-Autoren der Studie, Ökonom Mirko Wesling, der ZEIT. "Aber das wird nur klappen, wenn die Konditionen stimmen. Die Löhne müssen in Größenordnungen steigen. Die Lebensqualität muss gut sein", sagte er.

Euphorisch bewertete der langjährige Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) die Entwicklung. "Endlich wird deutlich, dass wir auf dem Arbeitsmarkt die Einheit inzwischen geschafft haben", sagte Blüm der ZEIT. "Die Mühe hat sich gelohnt." Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte, viele Firmen im Osten suchten jetzt händeringend gute Leute. "Wer das vor 20 Jahren vorausgesagt hätte, den hätten wir vermutlich nicht ernst genommen", sagte Haseloff.