Wenn Korruption kaum mehr empört, dann läuft etwas gewaltig schief auf einer Baustelle. Am Berliner Flughafen BER wundert einen natürlich gar nichts mehr – aber wie jovial Geschäftsführer Hartmut Mehdorn vom Tisch wischt, dass gegen einen seiner engsten Mitarbeiter wegen Bestechlichkeit ermittelt wird, das verstört dann doch. "Das Inbetriebnahmeprojekt ist sehr solide aufgestellt", ließ Mehdorn am Morgen verbreiten. "Es steht und fällt nicht mit einem einzelnen Mitarbeiter." Nur: Dieser Mitarbeiter wurde eigens von Mehdorn eingestellt, damit der Brandschutz am Terminal – und damit das Rückgrat eines sicheren Flughafens – endlich funktioniert. Der Vorfall belastet darum auch den Chef.

Konkret geht es um den Unternehmer Jochen Großmann. Ehe ihn Mehdorn zum Chefplaner machte, hatte Großmann mit seiner Ingenieursfirma Gicon den Flughafen beraten. In diese Phase fällt der Korruptionsvorwurf. Die Rede ist von einer halben Million Euro, um eine Auftragsvergabe zu manipulieren.

Nach Informationen von ZEIT ONLINE ist Großmanns Firma bis zuletzt am Flughafen tätig gewesen. Wie passt das zu einer sauberen Unternehmensführung? Wie soll der Chefplaner unter anderem ein Unternehmen überwachen, das ihm selbst gehört? All das sind Fragen, die Hartmut Mehdorn in seinen Verlautbarungen beantworten müsste und auf die er schon vor Monaten hätte Antworten geben müssen.

Weg mit Mehdorn

Doch das ist schon gar nicht mehr der eigentliche Skandal. Mehdorn spaziert von einem PR-Desaster ins nächste. Skandalös ist, dass niemand ihn daran hindert. Die Theorie, wonach Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit seinen einstigen Gegenspieler Mehdorn nur als Kugelfang geholt hat, um selbst aus der Schusslinie zu kommen, findet hier eine weitere Bestätigung. "Der Aufsichtsrat kommt systematisch seiner Kontrollfunktion nicht nach", kritisiert beispielsweise Martin Delius (Piraten), der sich in Berlin bemüht, mit einem Untersuchungsausschuss die Versäumnisse vergangener Jahre zu sortieren.

Noch aber geht Wowereits Kalkül glänzend auf. Solange Mehdorn an der Spitze steht, stürzen sich Flughafengegner und Politiker auf den Managerdino.

Nun aber ist es an der Zeit, die Ära Mehdorn zu beenden. Und ebenso sollte Wowereit seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender einreichen. Nicht, weil ein einzelner Mitarbeiter womöglich der Korruption überführt wird. Sondern weil dies einfach nur der jüngste Beleg dafür ist, dass dieses Führungsduo keine Zukunft am BER hat.

So wie es aussieht, wird der Flughafen nicht vor 2017 in Betrieb gehen. Jeder Monat Verspätung kostet schon heute 30 Millionen Euro und mehr. Selbst wenn ein erneuter Führungswechsel weitere Millionen verschlingt, sollte der Aufsichtsrat die Notbremse ziehen. Abwarten wird sicher noch teurer. Die Fehler sind längst gemacht. Von zwei Herren, die nicht loslassen können.