Die Flughafengesellschaft will sich im Laufe des Tages ausführlich äußern, vorab nur so viel: Der unter Korruptionsverdacht stehende Technikchef des Berliner Hauptstadtflughafens ist nach dpa-Informationen beurlaubt worden. Ermittler werten demnach gegenwärtig das sichergestellte Beweismaterial aus, wie der Neuruppiner Staatsanwalt Frank Winter im RBB-Rundfunk sagte. 

Gegen den Technikchef Jochen Großmann wird wegen Bestechlichkeit ermittelt. Er ist derjenige, der die Probleme mit der Entrauchungsanlage an dem Airport in Schönefeld lösen sollte. Die nicht funktionierende Anlage gilt als Hauptgrund für die inzwischen bereits vier Mal verschobene Eröffnung des Flughafens. Großmann wurde erst Ende 2013 nach Berlin geholt, er kam für den im Herbst abgesetzten Horst Amann.


Die Flughafengesellschaft hatte den Fall am Dienstag publik gemacht, ohne Großmanns Namen zu nennen. "Wir haben den Vorgang zunächst nicht öffentlich gemacht, weil wir den Mitarbeiter nicht zu Unrecht beschuldigen wollten", sagte Flughafenchef Hartmut Mehdornlaut der Berliner Morgenpost. "Wir haben abgewartet ob die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht bestätigen würde." Der Verdächtige sei für die Auftragsvergabe für den neuen Hauptstadtflughafen zuständig gewesen und soll von einem Auftragnehmer Vorteile gefordert haben, teilte das Unternehmen mit.

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin bestätigte den Verdacht – nannte den Namen zunächst aber ebenfalls nicht. Staatsanwalt Winter sprach von einem "klassischen Modell von Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr". Zum Zeitpunkt der Tat sei der Beschuldigte noch Geschäftsführer einer Beraterfirma der Flughafengesellschaft gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schiermeyer. In dieser Funktion habe er mit der Vergabe von Aufträgen für Planungsleistungen zu tun gehabt. Bisher gebe es keine Hinweise auf weitere Korruptionsfälle beim Flughafen.

Flughafengesellschaft kündigt Konsequenzen an

"Nach unserem bisherigen Erkenntnisstand geht es um rund eine halbe Million Euro Bestechungsgeld", sagte Mehdorn. Der Korruptionsverdacht habe sich "nach einem Gespräch mit dem Repräsentanten eines im Bereich der technischen Planung tätigen internationalen Unternehmens ergeben". Nach den Durchsuchungen werde das Unternehmen nun "gegen die Beteiligten entsprechende Konsequenzen ziehen".

Großmann wurde im April dadurch bekannt, dass er den kritischen Abschnitt der Entrauchungsanlage mit der internen Nummer 14 "ein Monster" nannte. Um die Fehler zu beheben, wird die Anlage nun zerlegt.