Mythos 3: Deutschland ist der Zahlmeister der EU

Kein Mitgliedsstaat führt so viel Geld an Brüssel ab wie Deutschland – betrachtet man die absoluten Zahlen. Im Haushaltsjahr 2012 waren es mehr als 26 Milliarden Euro, also rund ein Fünftel des EU-Gesamtbudgets. Zieht man davon die Rückflüsse durch europäischen Fördermittel ab, etwa für Landwirtschaft, strukturschwache Regionen oder Forschungsprogramme, war die Bundesrepublik immer noch ein Nettozahler (11,95 Milliarden Euro). Größter Empfänger war Polen (12,00 Milliarden Euro). 

Anders sieht es aus, wenn man die Kosten auf die Einwohner umlegt. Deutschland landete im Jahr 2012 auf Rang Vier der Nettozahler (146 Euro), noch hinter Schweden, Dänemark und Luxemburg.

Kaum eine andere Volkswirtschaft profitiert so sehr vom EU-Binnenmarkt wie die deutsche. 57 Prozent unserer Exporte gehen in andere Mitgliedstaaten. Gerade die Ausfuhren in ehemalige Ostblock-Länder sind seit deren EU-Beitritt im Jahr 2004 rapide gestiegen.

Die Eurokrise hat Deutschland bislang direkt noch kein Geld gekostet. Sehr wohl aber ist der Staat beträchtliche Risiken eingegangen, indem er sich an Kreditpaketen der Eurozone und des Internationalen Währungsfonds für notleidende Staaten beteiligt hat. Allein an den Darlehen für Griechenland in Höhe von mehr als 200 Milliarden Euro ist der deutsche Steuerzahler mit mehr als 60 Milliarden Euro beteiligt. 

Dazu finanziert Deutschland 27 Prozent des Rettungsfonds ESM, es hat zunächst 22 Milliarden Euro in den Fonds eingezahlt. Insgesamt könnte Berlin mit bis zu 190 Milliarden Euro haften. Ob Deutschland am Ende Geld verliert und wie viel, hängt davon ab, ob Schuldnerstaaten wie Griechenland zurückzahlen. Seit Ausbruch der Krise profitiert Berlin von extrem niedrigen Zinsen auf Bundesanleihen, da Investoren in solche vermeintlich sicheren Staatspapiere fliehen.

FAZIT: Deutschland zahlt viel Geld in die EU ein, profitiert aber auch von ihr.