Santosh Ostwal erinnert sich noch gut daran, wie mühsam das Leben früher war. Damals war er noch ein kleiner Junge, und seine Familie lebte von der Landwirtschaft. Jede Nacht musste Ostwals Großvater, ein über 80-jähriger Kleinbauer, hinaus auf die Felder, oft mehrmals. Jedes Mal ging der Großvater anderthalb Kilometer zu Fuß, um die Wasserpumpen wieder anzustellen. Sonst wären seine Feldfrüchte verdorrt.  

Die Pumpen brauchen Strom, aber der ist knapp im ländlichen Indien. Bis heute laufen Wasserpumpen dort meist nur nachts, und weil der Strom oft ausfällt, bleiben sie häufig stehen. Ist die Stromversorgung aber stabil und laufen die Pumpen die ganze Nacht, gehen Unmengen an kostbarem Wasser verloren – das auch noch viele Nährstoffe aus dem Ackerboden schwemmt.

Die Bauern müssen also raus. Wer aber bestellt dann tagsüber die Felder, oder verkauft die Ernte? "Der Zugang zu Strom und Wasser ist ein großes Problem für indische Kleinbauern", sagt Ostwal. Die unzuverlässige Stromversorgung konnte er nicht reparieren – aber Ostwal machte sich auf die Suche nach einer Möglichkeit, die Pumpen aus der Ferne zu steuern. So wollte er seinem Großvater wenigstens die nächtlichen Fußmärsche ersparen.

Zwanzig Jahre ist das nun her, und Ostwal hat es geschafft. Der heute 49-jährige Ingenieur zückt sein Handy, wählt eine Nummer, gibt einen Code ein, und in der Ferne geht eine Wasserpumpe an oder aus. Sie wird gesteuert durch Mobilfunk und ein kleines Kästchen, mit dem die Pumpe verbunden ist. Das Kästchen ist der Stromschalter, und er wird per Mobilfunk umgelegt.

Nano Ganesh hat Ostwal seine Erfindung genannt: nach dem Elefantengott Ganesha, dem Gott des guten Gelingens, der Wissenschaft und der Händler. "Nano Ganesh ist eine ultramoderne Technologie, auf einfache und robuste Weise verpackt, um sie Bauern in entlegenen Gebieten überall in Indien anbieten zu können", sagt er. Sein Großvater hat nichts mehr davon. Aber Tausende anderer Kleinbauern in Indien können von Nano Ganesh profitieren. 20.000 der Kästchen hat Ostwal schon verkauft – aber zig Millionen Wasserpumpen im Land laufen noch ohne Fernsteuerung.

Santosh Ostwal hat seine Geschichte schon oft erzählt: die Geschichte des kleinen Jungen, der seinem Großvater helfen will und nach etlichen Fehlschlägen endlich Erfolg hat. Trotzdem erzählt er sie gern und voller Stolz. Jede Frage kommentiert er mit einem lauten "Ja!", bevor er antwortet, und er freut sich über Interesse an Details. Er erklärt alles langsam und in melodisch rollendem indischen Englisch. Der Zuhörer soll alles gut verstehen.