In fünf Tagen befasst sich der Bundestag in erster Lesung mit dem Gesetz zum Mindestlohn – jetzt drängt der Wirtschaftsflügel der Union auf weitreichende Änderungen. "Das Gesetz muss noch gründlich überarbeitet werden", sagte der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, dem Focus. Dass im Entwurf auch freiwillige Praktika von mehr als sechs Wochen unter den Mindestlohn fallen, könne sich als Bumerang erweisen: "Viele Firmen würden ihr Angebot an Praktikumsstellen eindampfen", sagte Linnemann. Leidtragende wären Nachwuchskräfte, die parallel zum Studium Praxiserfahrung suchten.

"Wir sehen noch reichlich Diskussionsbedarf", sagte auch der Parlamentsgeschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Max Straubinger. Er wolle mit der SPD unter anderem darüber reden, ob Saisonarbeiter in der Landwirtschaft vom Mindestlohn ausgenommen werden sollten.

Die Arbeitgeber drohen mit dem Verlust von Praktikumsplätzen, sollte die Koalition das Gesetz ohne Änderungen beschließen. "Die Pläne werden nach jetzigem Stand dazu führen, dass freiwillige Orientierungspraktika von Unternehmen so gut wie nicht mehr angeboten werden, weil sie zu teuer sind", warnte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer in der Wirtschaftswoche. Laut dem Gesetzentwurf sollen nur Pflichtpraktika und solche von maximal sechswöchiger Dauer vom Mindestlohn ausgenommen werden.

Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Karl-Josef Laumann, rief hingegen den Wirtschaftsflügel der Union auf, "keine neue Diskussion wie bei der Rente vom Zaun zu brechen" und die Einigung auf den Mindestlohn zu beherzigen. "Das Buch Mindestlohn ist zu", sagte er dem Focus. Man könne nicht Opposition und Regierung zugleich sein.

Kein Herrenschnitt unter 20 Euro

Der Bundestag berät am Donnerstag über das Gesetz, mit dem ab 2015 ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro festgelegt werden soll. Sind in einzelnen Branchen aber Vereinbarungen getroffen worden, die unterhalb der 8,50 Euro liegen, können diese noch bis Ende 2016 fortbestehen.

Deutschlands größte Friseurkette Klier will wegen des geplanten Mindestlohns ihre Preise erhöhen. Michael Klier, Co-Chef der Firmengruppe, erwartet einen Anstieg im zweistelligen Prozentbereich. Dies sei eine Grundvoraussetzung, um den Mindestlohn überhaupt finanzieren zu können, sagte Klier der Wirtschaftswoche. Herrenhaarschnitte für weniger als 20 Euro seien künftig nicht mehr machbar.