Es ist erst der dritte von ingesamt 26 Prozesstagen – und doch ein erster Höhepunkt.

Zu Beginn der Sitzung holpert es noch ein wenig: Der Staatsanwalt liest viel zu schnell von einem Dokument ab, die Übersetzerinnen kommen nicht hinterher, nach minutenlangem Vortrag sagt Peter Noll, der Vorsitzende Richter des Prozesses: "Sie übersetzen ja gar nicht, was ist denn los?" Der Staatsanwalt muss von vorne beginnen.

Dann ein erster Showdown. Gerhard Gribkowsky betritt den Sitzungsaal. Zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren treffen die beiden wichtigsten Protagonisten des Prozesses aufeinander. Einst waren sie Geschäftspartner, heute sind sie Erzfeinde: Bernard Eccelstone, 83 Jahre alt, Formel 1-Chef und nur 1,59 Meter groß auf der einen Seite. Und eben Gribkowsky, 56 Jahre alt, ehemaliger Topmanager der BayernLB und vergleichsweise ein Riese, auf der anderen. Es ist ein Wiedersehen mit vertauschten Rollen. Zuletzt saß Ecclestone im Zeugenstand und Gribkowsky auf der Anklagebank.

Nun also umgekehrt: Der Banker ist der Hauptbelastungszeuge der Staatsanwaltschaft in dem Prozess, der Ecclestone wegen angeblicher Bestechung und Anstiftung zur Untreue vor dem Landesgericht in München gemacht wird. Ein Urteil fällt frühestens im September.

Gribkowsky selbst hat nicht mehr viel zu verlieren. Im Sommer 2012 ist er wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Grund: Er hat 44 Millionen Dollar von Ecclestone angenommen. Das ist unstrittig. Ebenso wie die Tatsache, dass das Geld im Zuge des Verkaufs von Formel-1-Rechten der BayernLB floss. Seit er seine einjährige Strafe abgesessen hat, wohnt Gribkowsky im Freigängerhaus der Justizvollzuganstalt München.

Bevor er den Saal betreten hat, haben Ecclestones Strafverteidiger erneut die Glaubwürdigkeit des Bankers angezweifelt.

Die spannende und bisher ungeklärte Frage, der man sich an diesem Tag nähern möchte und die die kommenden Aufeinandertreffen im Gerichtssaal prägen wird, lautet: Warum hat Gribkowsky 44 Millionen Dollar bekommen? Was hat Ecclestone dafür als Gegenleistung erhalten?

Hat Ecclestone sich schuldig gemacht?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Formel-1-Chef den Banker bestochen hat, um seine eigene Macht zu erhalten. Die Strafverteidger des 83-jährigen Angeklagten behaupten, dessen Macht sei gar nicht in Gefahr gewesen, sondern Ecclestone von Gribkowsky erpresst worden.

Auf diese Gemengelage bezieht sich die folgende Frage von Richter Peter Noll. Zuvor hat er betont, dass er nicht nach neuen Vorwürfen gegenüber Gribkowsky suche. Nach drei Stunden will er vom Banker im Zeugenstand wissen: Hat er die Formel-1-Anteile im Namen der BayernLB im Herbst 2005 für einen zu günstigen Preis verkauft, weil er von Ecclestone bestochen worden ist? Hat sich Ecclestone damit der Bestechung schuldig gemacht?

Fest steht, dass ein Käufer den Zuschlag bekam, der Ecclestone wohlgesonnen war. CVC Capital Partners stellte die Macht des 83-Jährigen nicht in Frage. Und daran muss Ecclestone zu dieser Zeit viel gelegen haben. Einige Teams wollten damals eine eigene Rennserie gründen, zudem lief das Concorde Agreement aus, in dem die Erlösverteilung zwischen Teams und der Formel-1-Gruppe festgelegt sind.