Karina Valda und ihre Großmutter leben im gleichen Land, aber es trennen sie Welten. Ihre Oma ist Teil von Karinas Leben – und doch konnten sich beide bisher nicht einmal richtig unterhalten.

Die 18-jährige Karina ist in Boliviens Hauptstadt Sucre aufgewachsen; sie trägt moderne Kleidung und spricht Spanisch. Ihre Großmutter lebt mehr als 150 Kilometer entfernt im Ort Villa Orías auf dem Land, trägt traditionelle Tracht und spricht Quechua, die Sprache ihres gleichnamigen Volkes. Alle im Dorf sprechen so. Für Karinas Großmutter ist Spanisch wie eine Fremdsprache.

Karina aber kann kein Quechua. "Meine Eltern konnten sich nicht vorstellen, dass Quechua weiterhin wichtig sein würde, als sie in die Stadt zogen", erzählt sie. "Deshalb haben sie uns Kindern nur Spanisch beigebracht."

Für das Gespräch mit ihrer Großmutter lernt sie nun Vokabeln mit Hilfe von YouTube. Dort gibt es kostenlose Video-Tutorials. Bald, so hofft sie, wird sie genug Quechua können.

In der Schule war die alte Sprache für Karina kein Thema. Boliviens indigene Völker, ihre Kultur und Sprachen wurden von den offiziellen Institutionen des Landes lange gering geachtet. Auch deshalb gaben viele Eltern ihre Muttersprache nicht mehr an die Kinder weiter und erzogen sie auf Spanisch.

Seit mit Evo Morales aber ein Indio zum Präsidenten gewählt wurde, haben die alten Traditionen mehr Gewicht. Ihre Pflege ist ein erklärtes Ziel von Morales’ Politik. Seine Regierung hat sich damit viel vorgenommen: Neben Spanisch hat Bolivien 36 weitere offizielle Landessprachen. Die meisten werden von viel weniger Menschen gesprochen als Quechua und Aymara. Doch selbst diese beiden stuft die Unesco als gefährdet ein.

Weltweit gibt es mehr als 6.500 gesprochene Sprachen. Alle zehn Tage verschwindet eine davon, mindestens die Hälfte wird voraussichtlich im 21. Jahrhundert aussterben. Bedroht sind vor allem die Sprachen von Minderheiten.

Das ist auch in Bolivien so, trotz Evo Morales. Immerhin hat seine Regierung die alten Sprachen inzwischen zu Pflichtschulfächern gemacht. Ginge Karina Valda noch zur Schule, würde sie heute vermutlich dort Quechua lernen. Und vielleicht würde sie dabei die Software von Itati Tórrez nutzen.