Das Pariser Wirtschaftsministerium glich am Wochenende einem Basar. Nach der Entscheidung der Regierung vom Freitagabend, selbst beim verschuldeten Alstom-Konzern einzusteigen und General Electric (GE) die Hand für eine Ménage-à-trois zu reichen, ist der Deal nämlich noch längst nicht sicher. Frankreich bestätigt mit der Ankündigung, Alstom zum Teil zu verstaatlichen, einmal mehr sein Image als Interventionsmeister.
Allerdings
gestaltet sich vor allem der Erwerb von 20 Prozent der Aktien, den Präsident
François Hollande und Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg zur Bedingung für
die Allianz mit GE machen, trotz tagelangen Feilschens schwieriger als gedacht.
Der ohnehin klamme französische Staat muss für seinen Industriepatriotismus
womöglich teurer bezahlen als geplant.
Grund dafür ist Martin Bouygues. Der Alstom-Hauptaktionär hält aktuell 29,4 Prozent an dem Unternehmen und ziert sich, zwei Drittel seiner Anteile an den Staat zu verkaufen. Da der Alstom-Verwaltungsrat am Samstag einstimmig die Bedingungen der Regierung für ein Zusammengehen mit GE akzeptierte, ist davon auszugehen, dass auch Bouygues keine grundsätzliche Einwände hat. Der Chef des gleichnamigen Bau-und Telekommunikationskonzerns hat zwei Vertreter im Aufsichtsgremium sitzen.
Frankreich will Aktien am Markt einsammeln
Der Verkauf ist vielmehr eine
Frage des Preises. Der Staat will für 28 Euro je Alstom-Aktie einsteigen, dem
Schlusskurs vom Freitag. Bouygues aber hat die Papiere mit 34 Euro das Stück in
seinen Büchern stehen und verlangt 35 Euro. Was schnell einen Unterschied in
der Endabrechnung zwischen 1,7 Milliarden Euro und rund 2,1 Milliarden Euro
ausmacht. Die Kompromisslösung vom
Sonntagabend sieht folgendermaßen aus: Bouygues setzt auf einen Kursanstieg und
räumt dem Staat die Möglichkeit ein, nach Inkrafttreten des Deals binnen 20
Monaten Aktien zu Marktpreisen zu erwerben. So lange "leiht" Bouygues
dem Staat seine Stimmrechte.
"Bouygues ist der Meinung, dass die Alstom-Titel 35 Euro wert sind.
Wir geben ihm 20 Monate Zeit, dies zu beweisen", heißt es dazu im
Wirtschaftsministerium. In der Zwischenzeit will der Staat versuchen, Aktien zu günstigeren Konditionen auf dem freien Markt zu erwerben. "Diese Übereinkunft wird die Franzosen
keinen Euro kosten", verspricht Minister Montebourg. Er
verweist auf das Aktienportfolio des Staates in 71 verschiedenen Unternehmen.
"Wir werden einige dieser Aktien verkaufen." Das Geld in eine Beteiligung in Alstom zu stecken sei ein gutes Geschäft und werde dem
Staat wie bei früheren Gelegenheiten Dividenden einbringen, gibt er sich
überzeugt.
Nach Montebourgs Angaben
haben die Verkäufe von Aktien an Airbus, den Pariser Flughafen und den
Rüstungshersteller Safran in jüngster Vergangenheit insgesamt 2,7 Milliarden
Euro eingebracht. Davon wurden dieses Jahr bereits 800 Millionen Euro für den
Einstieg bei dem darbenden französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën an der
Seite des chinesischen Dongfeng-Konzerns aufgezehrt. Es sei aber noch genügend
Geld für Alstom vorhanden, sagt der Minister.
Montebourg verschweigt, dass Frankreichs Bürger natürlich indirekt für
den Einstieg bei Alstom bezahlen, indem das Polster nicht für andere Zwecke
verwendet werden kann. Für den Abbau der enormen Staatsverschuldung zum
Beispiel, die mehr als 93 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt. Oder für
die Senkung von Steuern, deren Erhöhung in den vergangenen Monaten einer der
Gründe für den rasanten Abstieg der amtierenden Sozialisten in der Wählergunst
und den Höhenflug der rechtsnationalen Partei Front National (FN) ist. Oder
auch für eine Lockerung der beschlossenen Sparmaßnahmen – eigentlich eine
Herzensangelegenheit des zum linken Parteiflügel zählenden Ministers.
Das Pariser Wirtschaftsministerium glich am Wochenende einem Basar. Nach der Entscheidung der Regierung vom Freitagabend, selbst beim verschuldeten Alstom-Konzern einzusteigen und General Electric (GE) die Hand für eine Ménage-à-trois zu reichen, ist der Deal nämlich noch längst nicht sicher. Frankreich bestätigt mit der Ankündigung, Alstom zum Teil zu verstaatlichen, einmal mehr sein Image als Interventionsmeister.
Allerdings
gestaltet sich vor allem der Erwerb von 20 Prozent der Aktien, den Präsident
François Hollande und Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg zur Bedingung für
die Allianz mit GE machen, trotz tagelangen Feilschens schwieriger als gedacht.
Der ohnehin klamme französische Staat muss für seinen Industriepatriotismus
womöglich teurer bezahlen als geplant.