Der Online-Konzern Amazon lässt seine Prime-Kunden in den USA mehr als eine Million Songs gratis und werbefrei hören. Der Service, über den schon lange spekuliert wurde, ging am Donnerstag ohne Ankündigung online. Damit drängt ein weiterer Wettbewerber ins Geschäft mit Musik-Streaming aus dem Netz.

Amazon hatte in den USA den Preis der Prime-Mitgliedschaft, die eine schnellere kostenlose Lieferung beinhaltet, von 79 auf 99 Dollar im Jahr angehoben. Dafür wurde ein kostenloses Angebot an TV-Sendungen und Filmen integriert. Das Video-Streaming ist inzwischen auch für Prime-Kunden in Deutschland verfügbar.

Der Prime-Musikdienst werde allerdings kaum Neuerscheinungen enthalten sowie keine Songs aus dem Katalog des Branchenführers Universal Music, schreibt die New York Times. Die Verhandlungen mit der Musikbranche hätten vor rund einem halben Jahr begonnen und seien aufgrund von Differenzen über den Preis gebremst worden, hieß es. Mit Sony und Warner Music habe Amazon eine Einigung erzielt, mit Universal Music hingegen nicht.

Berichte über einen eigenen Musik-Streaming-Dienst von Amazon gibt es bereits seit Monaten. Amazon hatte sich nicht dazu geäußert. Laut New York Times bot Amazon kleinen Musiklabels für das Abspielen ihrer Titel Geld aus einem Fonds in jährlicher Höhe von fünf Millionen Dollar (3,7 Millionen Euro).

Musik-Streaming ist ein schnell wachsender Markt. Dienste wie Deezer, Simfy, Spotify, Juke und Rhapsody bieten Zugang zu einer riesigen Zahl von Songs, die sich Nutzer jederzeit anhören können. Die Nutzer kaufen die Songs nicht und laden sie nicht dauerhaft herunter, sondern hören sie einmalig als Audio-Stream per Internetverbindung. Die meisten Anbieter verlangen eine monatliche Gebühr in Höhe von zehn Euro oder Dollar. Als Marktführer gilt die schwedische Firma Spotify. Apple kaufte jüngst den Kopfhörer-Anbieter Beats, der auch einen Streaming-Dienst hat.