Deutschland, ein Land atomarer Zwischenlager. An gleich zwölf Standorten – verteilt quer über Westdeutschland – lagern die deutschen Energieversorger zurzeit ihren hochradioaktiven Abfall. Schließlich gibt es noch immer kein unterirdisches Endlager für den Müll. Die Suche und der Bau werden sich noch Jahrzehnte hinziehen.

332 Castoren stehen zurzeit an deutschen Atomkraftwerken. Für die Zwischenlager haben die Betreiber in den vergangenen Jahren eigene Hallen errichten müssen. Nur am Standort Neckarwestheim schickt der Betreiber EnBW die Castoren unter Tage.

Das größte Zwischenlager betreiben E.On und RWE am AKW-Standort Gundremmingen, dem leistungsstärksten Kernkraftwerk in Deutschland. Etwa 150 Meter entfernt vom Reaktorgebäude steht hier das Zwischenlager, eine 104 Meter lange Halle mit Wänden aus 0,85 Meter dickem Stahlbeton. 41 Castoren sind schon jetzt eingelagert. Wenn die zwei Kraftwerksblöcke voraussichtlich in den Jahren 2017 und 2021 vom Netz gehen, wird sich die Zahl der Castoren auf 184 mehr als vervierfacht haben.

Jeder der Castoren muss mit großem technischen Aufwand rund um die Uhr überwacht werden. Er enthält die mehrere Hundert Grad heißen Brennelemente, deren Strahlung noch immer lebensgefährlich ist. "Würde jemand auf die Idee kommen, den Castor-Behälter zu öffnen, wäre er einer so hohen direkten Strahlung ausgesetzt, dass nach verbrennungsähnlichen Schäden schließlich der Organismus kollabieren würde", formuliert das Bundesamt für Strahlenschutz die Lebensgefahr ein wenig verschwurbelt auf seiner Internetseite. Die Brennelemente sind daher von einem 40 Zentimeter dicken Mantel aus gusseisernem Material umgeben, die Behälter stehen unter Überdruck.

Jahr für Jahr erhöht sich die Zahl der geparkten Castoren. 14.125 Tonnen hochradioaktives Material werden, so sehen es zumindest die Genehmigungen des Bundesamts für Strahlenschutz vor, in den kommenden Jahren zwischengelagert. Die Stromkonzerne gehen davon aus, dass sie 1.009 Castorbehälter einlagern müssen, wenn das letzte Atomkraftwerk im Jahr 2022 vom Netz gehen wird.

Endlagersuche dauert an

Dass es bis dahin ein Endlager in Deutschland gibt, ist vollkommen unrealistisch. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) visiert inzwischen das Jahr 2050 an, schließlich geht dem Bau eine komplexe Suche und Prüfung voraus. Manche Fachleute halten selbst dieses Zieljahr für optimistisch.

Irgendwo muss aber der Abfall hin – also nun direkt an den Atomkraftwerken. Die Zwischenlager sind für 40 Jahre genehmigt. Sie sind Teil des Atomausstiegs der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2002. Darin einigten sich die Stromversorger und die Bundesregierung auch darauf, dass deutsche Atomkonzerne ab 2005 keinen Atommüll mehr in die Wiederaufbereitungsanlagen ins französischen La Hague und ins britische Sellafield schicken. Auch um die umstrittenen Castortransporte quer durch Deutschland zum zentralen Zwischenlagern Gorleben zu vermeiden, wird der strahlende Müll an den AKW-Standorten eingelagert.

Trotzdem wird Deutschland in den kommenden Jahren noch Castoren aus dem Ausland unterbringen müssen: Bis 2025 werden noch fünf aus La Hague und 21 aus dem britischen Sellafield erwartet, die Deutschland zurücknehmen muss. Da sie nicht in Gorleben eingelagert werden sollen, ist schon jetzt klar, dass sie in den Zwischenlagern landen werden. Das rot-grün regierte Schleswig-Holstein hat sich bereit erklärt, Castoren in Brunsbüttel einzulagern, erwartet aber von anderen Bundesländern, nachzuziehen. Die Begeisterung der Atomkonzerne, ihren Abfall nicht mehr in Gorleben einlagern zu können, ist extrem begrenzt. Sie pochen darauf, dass es doch das Zwischenlager Gorleben gebe und fordern eine finanzielle Entschädigung.