Berlin, Brandenburg und der Bund stecken noch mehr Geld in den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Der Aufsichtsrat billigte die Forderung des Geschäftsführers Hartmut Mehdorn von 1,1 Milliarden Euro und erhöhte damit den Kostenrahmen für den drittgrößten deutschen Flughafen auf 5,4 Milliarden Euro. Außerdem gab das Kontrollgremium Geld frei, mit dem Mehdorn eine Erweiterung des neuen Flughafens planen kann.

"Wir sind sicher, mit dieser Summe den Flughafen Klassik, also so wie er ist, fertigzustellen", sagte Mehdorn nach der Sitzung des Aufsichtsrats. Nach Bedenken vor allem aus Brandenburg, wo im September ein neuer Landtag gewählt wird, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als Aufsichtsratschef: "Dies ist ein einstimmiger Beschluss und das ist auch Konsens." Er erwarte nun die Zustimmung der Flughafen-Gesellschafter. Das Unternehmen gehört Berlin, Brandenburg und dem Bund.

Die Betreiber kalkulieren damit, dass der Flughafen zum Jahreswechsel 2015/2016 fertig gebaut ist – mit mehr als vier Jahren Verspätung, was auf Baumängel, Planungsfehler und Technikprobleme zurückzuführen ist. "Das ist noch kein Termin, das ist einfach eine Planungsannahme", sagte Mehdorn. Er bleibe dabei, dass er am Jahresende einen Eröffnungstermin nennen werde.

Mehdorn sprach von einer "ziemlich aufreibenden Sitzung". Die 1,1 Milliarden Euro entfallen nach seinen Worten zu jeweils einem Drittel auf Umbauten, den Schallschutz und einen vorsorglichen Puffer. Enthalten ist auch die Sanierung einer Start- und Landebahn, die der Neubau vom alten Flughafen Schönefeld nebenan übernimmt.

Folgen der Korruptionsaffäre nicht einzuschätzen

Das Kontrollgremium gab außerdem fünf Millionen Euro frei, um Kapazitätserweiterungen zu planen. Denn der neue Flughafen ist für 27 Millionen Passagiere jährlich geplant und könnte damit vom Start weg zu klein sein.

Mehdorn will deshalb das Terminal des benachbarten bisherigen Schönefelder Flughafens weiter nutzen. Dort plant der Bund aber auch sein neues Regierungsterminal. Wowereit sagte, eine Lösung im Konsens liege hier auch im Interesse des Bundes.

Die Auswirkungen der Korruptionsaffäre am BER auf den Zeitplan sind nach Angaben der Flughafengesellschaft noch nicht absehbar. Viele Planungsaufträge könnten nun nur verzögert vergeben werden. Dem früheren Technikchef Jochen Großmann wird Bestechlichkeit vorgeworfen, zudem soll er Preisabsprachen ermöglicht haben. Eine Arbeitsgruppe habe seine Auftragsvergaben untersucht, dabei hätten sich die Verdachtsmomente erhärtet, sagte Mehdorn. Großmann selbst hat dagegen angekündigt, die Vorwürfe zu entkräften.

Die Dauerbaustelle bescherte der Betreibergesellschaft auch 2013 einen Verlust. Trotz steigender Passagierzahlen stand unterm Strich ein Minus von 181,7 Millionen Euro, wie die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH mitteilte. Im Vorjahr hatte das Minus 185,2 Millionen Euro betragen.