In Bulgarien schlagen Regierung und Zentralbank Alarm wegen eines mutmaßlichen Angriffs auf das Bankensystem. Die Zentralbank des Landes teilte mit: "In den vergangenen Tagen hat es Versuche gegeben, den Staat durch eine organisierte Attacke auf bulgarische Banken ohne Grund zu destabilisieren." Die Bank rief alle staatlichen Institutionen dazu auf, die Stabilität der Finanzwirtschaft zu schützen. Es seien "böswillige Gerüchte" über die Lage von Geldhäusern in Umlauf gebracht worden. 

Die First Investment Bank (FIBank) teilte mit, sie sei Opfer eines beispiellosen kriminellen Angriffs geworden. In der Folge hätten Kunden der drittgrößten Bank des Landes innerhalb weniger Stunden umgerechnet mehr als 400 Millionen Euro abgehoben.

Ministerpräsident Plamen Orescharski und die Chefs der wichtigsten bulgarischen Parteien sagten, sie würden alle erforderlichen Mittel einsetzen, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. "Wir werden alle Anstrengungen der Zentralbank unterstützen", sagte Orescharski. "Ich sehe keinen Grund zur Sorge für die Bürger."   

Unruhe nach SMS-Nachrichten und Internetwarnungen

Nach Angaben von Innenminister Tswetlin Jowtschew sollte die Bevölkerung über das Internet und wahllos verschickte SMS-Nachrichten in Unruhe versetzt werden. Dazu seien am Donnerstag Ermittlungen aufgenommen worden. Über die Hintergründe wurde zunächst nichts bekannt.

In der Hauptstadt Sofia bildeten sich in einigen Bankfilialen lange Schlangen vor den Schaltern. Betroffen war unter anderem die FIBank. Eine Kundin der Bank sagte: "Mir wurde mitgeteilt, dass ich hierher kommen und mein Geld abheben soll."

FIBank gibt an, Opfer von Gerüchten zu sein

Die FIBank-Filialen wurden aus "logistischen Gründen" am frühen Freitagnachmittag geschlossen und sollten erst am Montag wieder geöffnet werden, teilte die Bank mit. Bankgeschäfte im Internet und Auszahlungen an Geldautomaten seien aber weiter möglich, sagte ein Sprecher. Die FIBank sei Opfer von Gerüchten und böswilligen Erklärungen in der Öffentlichkeit geworden, hieß es in einer Erklärung des Unternehmens.

Vergangene Woche hatten Medienberichte über angeblich zweifelhafte Geschäfte des viertgrößten bulgarischen Geldhauses Corporate Commercial Bank (Corpbank) zu Kontoauflösungen geführt. Die Zentralbank sah sich gezwungen, die Kontrolle über die Corpbank zu übernehmen. An der Börse fürchteten Investoren, dass auch andere Institute hineingezogen werden und trennten sich nun wie bereits am Donnerstag in Scharen von Bank-Aktien. Der Kurs der FIBank-Papiere brach um rund ein Viertel ein.

Die Entwicklung erinnert an den Zusammenbruch des Bankensektors in Bulgarien in den neunziger Jahren, als 14 Institute pleite gingen. Sie setzt ferner Orescharskis Minderheitsregierung zusätzlich unter Druck, die bereits mit einer schwachen Konjunktur und einem Rückgang der Investitionen aus dem Ausland zu kämpfen hat.

Bulgarien setzt Neuwahlen an für den 5. Oktober

Wegen der anhaltenden politischen Probleme hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's die Bonitätsnote des Landes unlängst herabgestuft. Die Bewertung liegt nun nur noch eine Stufe vom gefürchteten Ramsch-Status entfernt.

Zur Bewältigung der politischen Krise haben sich die größten Parteien des Landes darauf geeinigt, Neuwahlen abzuhalten. Wahltermin sei der 5. Oktober, der Termin werde nun Staatspräsident Rossen Plewneliew vorgelegt, sagte der Chef der regierenden Sozialisten Sergej Stanischew.