Angesichts der anziehenden Wirtschaft in den USA streicht die Notenbank ihre Konjunkturhilfen weiter zusammen. Der Erwerb von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren wird zum fünften Mal in diesem Jahr um 10 Milliarden Dollar pro Monat zurückgefahren, wie der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss der Federal Reserve (Fed) entschied. Das Volumen der Ankäufe von Staatsanleihen und Hypotheken-Papieren sinkt damit wie erwartet auf 35 Milliarden Dollar pro Monat.

Den Leitzins beließen die Notenbanker um Fed-Chefin Janet Yellen auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent, da eine sehr lockere Geldpolitik vor allem wegen der hohen Arbeitslosigkeit unverändert angemessen sei. Auf diesem Rekordtief liegt der Zinssatz seit Ende 2008, als sich weltweit die schwere Finanzkrise ausgebreitet hatte.

Zugleich beurteilt die Fed nach dem kältebedingt schwachen Start ins Jahr die Wachstumsaussichten nicht mehr ganz so gut. Sie veranschlagt für dieses Jahr beim Bruttoinlandsprodukt ein Plus von maximal 2,3 Prozent. Noch im März hatte sie mit bis zu drei Prozent gerechnet. Die Zinswende peilen die meisten Geldpolitiker erst für nächstes Jahr an. In ihren individuellen Prognosen für den angemessenen Zeitpunkt einer geldpolitischen Straffung nannten zwölf Zentralbanker das Jahr 2015. 

Fischer als Kollektiv zu Yellen

Drei Fed-Führungsmitglieder wollen die Zinsen erst 2016 erhöhen, nur ein Notenbanker plädiert für 2014. An der Umfrage nahmen auch derzeit nicht stimmberechtigte Notenbanker teil. Die Fed-Führungsmitglieder veranschlagen im Schnitt für Ende 2015 ein Zinsniveau von 1,125 Prozent. Im März hatten sie lediglich 1,00 Prozent angepeilt.

Erstmals nahm auch der neue Fed-Vizechef Stanley Fischer an der Zinssitzung teil. Der frühere israelische Notenbankchef hatte erst kürzlich vom Senat die Bestätigung für den Posten erhalten. Mit seiner nicht ganz so lockeren geldpolitischen Linie gilt er als Korrektiv zu Yellen.

Die Fed, die stabile Preise sichern und Vollbeschäftigung fördern soll, blickt mittlerweile mit etwas weniger Sorge auf den Arbeitsmarkt. Bis Ende des Jahres soll die Arbeitslosenquote nach den Projektionen der Notenbank auf 6,0 bis 6,1 Prozent sinken. Im März hatte sie noch 6,1 bis 6,3 Prozent veranschlagt. Die während der schweren Rezession verloren gegangenen Jobs sind mittlerweile wieder aufgebaut worden. Doch noch immer gibt es eine für US-Verhältnisse relativ hohe Zahl von Teilzeitkräften und Langzeitarbeitslosen.