Wenn in diesen Tagen in Brasilien die ersten Spiele der Fußball-WM angepfiffen werden, dann ist für ein paar Herren und Damen in Deutschland die Arbeit getan. Sie können jetzt nicht viel mehr machen, als die Partien der deutschen Nationalmannschaft zu verfolgen. Manchmal aus Interesse am Spiel. Immer aber aus Interesse an ihrem Geld.

Die Menschen in den Kostümkleidern und Anzügen hat man bis vor wenigen Jahren kaum mit den besten Fußballern Deutschlands in Verbindung gebracht. Heute sind sie einer der Dreh- und Angelpunkte im System Nationalmannschaft. Sie arbeiten für Coca-Cola, SAP oder die Commerzbank. In den nächsten vier Wochen sollen sich die TV-Spots, Anzeigen und Social-Media-Kampagnen, die sie sich über Monate hinweg ausgedacht haben, im Bewusstsein der Deutschen verankern. Mit Werbung, bei der neben dem Produkt das DFB-Team im Mittelpunkt steht.

Wie niemals zuvor in ihrer Geschichte stellt sich die Nationalmannschaft in den Dienst dieser milliardenschweren Konzerne. Sie wurde mithilfe der Sponsorengelder zu einer gewinnorientierten Vertriebs- und Marketingmaschine. Mehr als 100 Millionen Euro kassiert der Deutsche Fußballbund durch die Mannschaft – über 65 Prozent des Gesamtumsatzes. Das Geld stammt aus Ticket- und TV-Einnahmen sowie Werbeverträgen. Der DFB will die Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Frankfurt verteilt die Millionen weiter in die Jugend- und Frauenteams, die Talentförderung, Amateurvereine und die Verwaltung. "Der größte Batzen geht in die Basis", sagte Teammanager Oliver Bierhoff in der WDR-Sendung Sport Inside

Kaum ein Team ist so wertvoll wie die deutschen Kicker. Zählt man den Marktwert ausgewählter Nationalspieler zusammen, dann werden lediglich Spaniens Elitekicker höher bewertet als die deutschen, wie der Internet-Dienst Transfermarkt.de berechnet hat. Deutschland liegt mit 616 Millionen Euro auf Platz zwei, mit deutlichem Abstand folgen die WM-Favoriten Brasilien und Argentinien, die zwischen 461 und 468 Millionen Euro taxiert werden. 

Sieben bis acht Millionen Euro – pro Spiel

Mit jedem Spiel setzt der DFB laut Schatzmeister Horst Schmidt sieben bis acht Millionen Euro um: über TV-Rechte, Bandenwerbung, VIP-Pakete und den Ticketverkauf. Egal, wie die WM ausgeht, die Einnahmen dürften weiter steigen, so begehrt ist die Imagewerbung durch die Sportler. Das Recht, die Qualifikationsspiele für die kommende EM und WM zu übertragen, ist etwa RTL viel Geld wert: Die Kölner sollen für 20 Partien fast 100 Millionen Euro zahlen. Das macht fünf Millionen Euro pro Partie für den DFB – nur für die TV-Rechte. 

Daneben sind auch die Sponsoren bereit, immer mehr Geld auszugeben. Seit 2002 haben sich diese Einnahmen vervierfacht. Laut der Sportmarketing-Agentur Repucom kassiert der DFB jedes Jahr rund 59 Millionen Euro aus dem Sponsoring. Allein Adidas spendiert 25 Millionen Euro.