Nach dem Kantersieg gegen Portugal jubelten nicht nur Millionen deutscher Fans mit dem dreifachen Torschützen Thomas Müller. In der deutschen Kleinstadt Herzogenaurach dürften ebenfalls ein paar Freudenschreie durch die Flure des DFB-Ausrüsters adidas gehallt sein. Denn mit dem Erfolg von Müller und der deutschen Nationalmannschaft steigt auch die Zahl der verkauften DFB-Trikots. Aber auch in anderen Ecken der Welt haben sich mit ziemlicher Sicherheit ein paar Geschäftsmänner die Hände gerieben.

Beispielsweise in Peking auf dem legendären Yashow-Basar. Wer dieses fünfstöckige, wenig glanzvolle Gebäude mit den Hunderten von Kleidermarktständen betritt, wird sogleich von fliegenden Händlern umringt: "Cheap, cheap", rufen sie in schlecht gesprochenem Englisch. Und "real good quality". Die Trainingsjacken, Trikots und Jogginghosen mit den drei weißen Streifen werden für weniger als ein Fünftel des Originalpreises verkauft – je nachdem wie gut der Kunde handelt.

Obwohl Länder wie Bangladesch und Vietnam den Chinesen immer mehr Produktionsstätten abnehmen – China ist nach wie vor das Land, aus dem die meisten Waren der Sportartikelmarken wie adidas, Nike und Puma kommen. Sie werden meist in gigantischen Fabrikhallen in Textilstädten wie Yiwu in der Nähe von Shanghai oder den Industriemetropolen Shenzhen und Dongguan im Süden des Landes hergestellt.

In der gleichen Fabrik produziert

Adidas, Nike und Puma gehören diese Fabriken keineswegs selbst, sondern es handelt sich um chinesische oder taiwanesische Auftragshersteller. Sie tragen weniger glanzvolle Namen wie Long Way oder Yue Yuen. Deren Näherinnen und Näher stellen sowohl die qualitativ hochwertige Ware her, die dann teuer in den schicken Originalgeschäften angeboten wird, als auch die sogenannte billige Ware auf den chinesischen Kleidermärkten. Original- und Fakeware kommen quasi von denselben Händen und Nähmaschinen.

Was die sehr viel teurer angebotene Ware in den zertifizierten Markenläden von der Ware auf den Kleidermärkten unterscheidet: Zwischenhändler gehen in die Fabriken und picken sich die sauber und qualitativ gut verarbeitete Ware heraus. Was wegen möglicher Mängel auf den Grabbeltischen übrig bleibt, verhökern die Angestellten an chinesische Kleinhändler, die die Ware dann im ganzen Land auf den Märkten oder eben in den Ramschgeschäften anbieten. 

Zur WM werden eine Millionen Trikots verkauft

Spielt eine Mannschaft gut und erfolgreich, kaufen die Fans natürlich mehr Originalware. "Aber man kann davon ausgehen, dass auch die Nachfrage nach Fälschungen wächst", sagt Philipp Hanske vom Arbeitskreis Produkt- und Markenpiraterie der deutschen Wirtschaft (APM). "Das Fälschergeschäft wächst im Zwei-Jahres-Rhythmus, parallel zu den großen Turnieren." 

Die Umsätze, den die Sportartikelhersteller mit den originalen Waren in Turnierjahren machen, sind gigantisch: 12,4 Milliarden Euro werden in diesem Jahr weltweit mit Fußballausrüstung wie Schuhen, Bällen und Trikots umgesetzt, schätzen die Marktforscher von der NPD Group. Alleine 2,73 Milliarden seien davon der Weltmeisterschaft zu verdanken.

Das Fan-Accessoire Nummer eins ist in Deutschland das Trikot, sagt der Sportmarketing-Experte Peter Rohlmann. Seit der WM 2006 werden laut Rohlmann in Turnierjahren mehr als eine Million Trikots verkauft. In normalen Jahren sind es nur um die 250.000. Deutschland ist dabei nur eines von acht Teams, neben Spanien und Argentinien, die von adidas ausgerüstet werden. Auch Puma stattet acht der 32 Mannschaften mit Sportkleidung aus, der amerikanische Hersteller Nike hat neben den Gastgebern aus Brasilien sogar zehn WM-Teilnehmer unter Vertrag.