Aldi-Mitgründer Karl Albrecht ist am vergangenen Mittwoch in Essen im Alter von 94 Jahren gestorben. Das bestätigte ein Sprecher der Stadt Essen. Zuvor hatte die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet, dass er heute Morgen in familiärem Kreis beerdigt wurde. Gemeinsam mit seinem Bruder Theo Albrecht gründete er mit Aldi einen der erfolgreichsten Konzerne der Nachkriegszeit.

"Ohne Pomp, ohne Aufsehen, ohne großes Publikum" sollen die Familie und enge Freunde in der Villa in Essen-Bredeney Abschied von Karl Albrecht genommen haben, so schreibt FAZ.net. Beerdigt wurde er den Angaben zufolge auf dem Friedhof unweit des Hauses, nur einige Meter entfernt von seinem Bruder Theo Albrecht, der vor vier Jahren im Alter von 88 Jahren gestorben war.

Die beiden Brüder gelten als Erfinder des Discount-Prinzips und haben damit Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Die damals revolutionäre Idee war, mit einem schmalen Sortiment und einfachen Betriebsabläufen die Kosten möglichst gering zu halten. Damit konnte Aldi viel niedrigere Preise als die Konkurrenz anbieten. So wurde beispielsweise auf aufwendige Regale für die Warenpräsentation verzichtet und direkt aus den Großverpackungen der Produktlogistik verkauft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Brüder Theo und Karl Albrecht damit begonnen, aus dem 1913 gegründeten Tante-Emma-Laden ihrer Mutter Deutschlands größten Discounter zu entwickeln. 1960 teilten die Brüder das Unternehmen in Aldi Nord und Aldi Süd auf, der erste Aldi-Markt – die Abkürzung steht für Albrecht-Diskount – wurde 1962 eröffnet.  

Auch die Filialen im Ausland teilten die Brüder unter sich auf: Aldi Nord hat Zweigstellen Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Portugal, Aldi Süd unter anderem in Österreich und der Schweiz. Insgesamt ist Aldi heute in insgesamt 17 Ländern in Europa, Nordamerika und Australien vertreten.

Aldi Süd verneigt sich vor Firmengründer Karl Albrecht

Karl Albrecht unterstand das Unternehmen Aldi Süd. Es beschäftigt mittlerweile über 35.000 Mitarbeiter und betreibt rund 1.800 Filialen. Zum Tod des 94-jährigen Firmengründers teilte die Unternehmensgruppe in einer Presseerklärung mit, Albrecht habe eine "Firmenkultur gegenseitigen Respekts" geschaffen. "Er war ein gerechter und stets berechenbarer Unternehmer und ein Mann, der seine Überzeugung und seine christlichen Werte lebte. Er war ein Vorbild." 

Karl Albrecht habe zurückgezogen gelebt, keine öffentliche Aufmerksamkeit gewollt und die ihm angetragenen Ehrungen stets mit dem Hinweis auf die Verdienste aller Mitarbeiter abgelehnt, heißt es in der Würdigung des Unternehmens weiter. Den Mitarbeitern und ihren Talenten habe er vertraut und ihnen Gelegenheit gegeben, diese zu entfalten. "Wir sind stolz auf die von ihm geschaffene Kultur und werden sie fortführen. Wir verneigen uns vor ihm. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie."

Dem Unternehmen sei Albrecht bis zu seinem 75. Lebensjahr in verantwortlicher Stellung verbunden geblieben. Auch danach habe er "bis wenige Tage vor seinem Tod die Unternehmensgeschicke aufmerksam und wohlwollend" begleitet. Die Voraussetzungen für unternehmerische Kontinuität über seinen Tod hinaus habe er bereits 1973 gelegt: Das Vermögen der Unternehmensgruppe Aldi Süd werde von zwei Stiftungen kontrolliert.

Karl Albrecht war einer der reichsten Deutschen

Die Brüder Theo und Karl Albrecht traten Zeit ihres Lebens kaum in der Öffentlichkeit auf, beide galten als äußerst medienscheu. Karl Albrecht war nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Forbes einer der reichsten Deutschen mit einem Vermögen von 19,5 Milliarden Euro. Regelmäßig führten die milliardenschweren Albrechts die Rankings der reichsten Deutschen mit Abstand an.

Die selbstständigen Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd veröffentlichen keine Konzernzahlen.