Wenige Stunden vor Ablauf der Frist im Schuldenstreit zwischen Argentinien und mehreren Hedgefonds haben sich Vertreter beider Seiten erstmals zu direkten Verhandlungen getroffen. Bei dem Gespräch in New York sei aber keine Einigung erzielt worden, sagte der von einem US-Gericht bestellte Schlichter Daniel Pollack. "Es waren die ersten Gespräche zwischen den Parteien von Angesicht zu Angesicht", sagte er. "Es war ein offener Austausch von Meinungen und Bedenken." Die Streitpunkte seien geblieben.

Die Regierung in Buenos Aires weigert sich bislang, den Hedgefonds NML Capital und Aurelius die von einem New Yorker Gericht zugesprochenen 1,33 Milliarden Dollar plus Zinsen auszuzahlen. Die Fonds hatten einen Schuldenschnitt für die in Dollar ausgegeben Anleihen des Landes nicht mitgemacht und geklagt. Für eine Einigung bleiben nur noch wenige Stunden. Verstreicht die Frist ungenutzt, wird Argentinien wie bereits 2002 als zahlungsunfähig eingestuft.

Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicillof hatte sich in die Bemühungen um eine Lösung eingeschaltet und war überraschend in New York vor dem Büro des Schlichters erschienen. Seinen Angaben zufolge soll es ein weiteres Treffen zwischen den Streitparteien geben.

"Wir werden weiterhin mit der großen Ernsthaftigkeit arbeiten, die diese Angelegenheit verdient", sagte Kiciloff nach dem Unterbrechen der Gespräche mit dem Mediator. "Wir arbeiten hart." Kurz zuvor hatte eine Gruppe internationaler Gläubiger den US-Richter Thomas Griesa, der zugunsten der Hedgefonds entschieden hatte, aufgefordert, seine Anordnung bis Anfang 2015 auszusetzen. Dies sei "der beste Weg, eine Verhandlungslösung in dieser Sache zu erreichen und eine Staatspleite zu verhindern".

Hintergrund des Konflikts ist die argentinische Staatspleite im Jahr 2002. Mit 93 Prozent seiner Gläubiger einigte sich das Land in den Jahren 2005 und 2010 auf Schuldenschnitte – sie verzichteten auf bis zu 70 Prozent ihres Gelds. Einige wenige Gläubiger blieben jedoch hart und verlangen den Nennwert der argentinischen Anleihen zurück, die viele von ihnen nach der Pleite des Landes billig aufgekauft hatten.

Die beiden US-Hedgefonds NML Capital und Aurelius halten weniger als ein Prozent der alten argentinischen Staatsanleihen. Falls die beiden Fonds ausbezahlt werden, könnten die Vereinbarungen mit den anderen Gläubigern über die Schuldenschnitte nachträglich platzen. Würden diese auch auf eine hundertprozentige Rückzahlung bestehen, stünde Argentinien vor einer Finanzkrise.