Das Umweltbundesamt (UBA) will die umstrittene Schiefergas-Förderung (Fracking) in Deutschland praktisch unmöglich machen. "Grundsätzlich halten wir die Gefahren dieser Technik für zu groß", sagte die neue UBA-Präsidentin Maria Krautzberger bei der Vorstellung eines neuen Gutachtens. Zwar sei ein generelles Verbot dieser Form der Rohstoffgewinnung rechtlich schwierig – mit schnellen, scharfen gesetzlichen "Leitplanken zum Schutz von Umwelt und Gesundheit" könne aber ein verbotsähnlicher Zustand erreicht werden. 

Eine Sprecherin des Umweltministeriums kündigte an, ein Gesetzentwurf zum Fracking werde dem Kabinett nach der Sommerpause zur Entscheidung vorgelegt und sei in Arbeit. In den von Umweltministerin Barbara Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vereinbarten Eckpunkten werde insbesondere dem Trinkwasserschutz und der menschlichen Gesundheit höchste Priorität eingeräumt. Daher werde der Einsatz von umweltgefährlichen Substanzen für diese Fördertechnik abgelehnt. Die Anforderungen an den Trinkwasserschutz sollten so verschärft werden, "dass Fracking auf absehbare Zeit in Deutschland ausgeschlossen ist", sagte eine Sprecherin von Hendricks. 

Beim Hydraulic Fracturing – kurz Fracking – wird Gestein in bis zu 5.000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck und unter Einsatz von Chemikalien aufgebrochen. Vor allem die USA setzen auf Fracking –  auch, um unabhängiger von Erdöl- und Erdgaslieferungen aus dem Ausland zu werden. In Deutschland gibt es ebenfalls nennenswerte Vorkommen dieser unkonventionellen Erdgas-Lagerstätten. Man findet sie zum Beispiel in Schiefertonformationen, Kohleflözen und dichten Sandsteinformationen.

Kein Fracking in Wasserschutzgebieten

"Fracking ist und bleibt eine Risikotechnologie", so das Umweltbundesamt. Es sei ein unhaltbarer Zustand, dass diese umstrittene Erdgas-Abbaumethode mithilfe chemischer Substanzen gesetzlich in Deutschland möglich sei, auch wenn es dazu ein Moratorium aller Beteiligten gebe. "Diesen äußerst unbefriedigenden Zustand sollte der Gesetzgeber schnell beenden", sagte Krautzberger. Über ein geändertes Wasserhaushaltsgesetz solle die Gasförderung aus Schiefer- und Kohleflözgestein verboten werden. In Wasserschutzgebieten sollte jede Form von Fracking untersagt werden.

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Für den verbleibenden engen Rahmen, in dem die Abbaumethode bleiben soll – etwa für Probebohrungen – fordert das UBA eine scharfe Umweltverträglichkeitsprüfung. Die eingesetzten Chemikalien sollen rechtlich verbindlich bundesweit in einem Kataster bei einer Bundesbehörde aufgeführt werden. Für die möglicherweise hochgiftige Spülungsflüssigkeit bei Bohrungen (Flowback) empfiehlt das Amt eine gezielte Aufbereitung. Zudem müssten die Auswirkungen auf das Grundwasser bereits vor Beginn des Fracking-Prozesses analysiert werden. 

Nach den von der Bundesregierung vorgelegten Eckpunkten soll nur das konventionelle Fracking in tiefen Gesteinsschichten möglich bleiben. In Wasserschutzgebieten soll auch dieses Fracking verboten werden.