Der Mann mit dem grauen Zopf, dem orangefarbenen Prokon-T-Shirt und mit den braunen Sandalen an den Füßen zeigt an diesem Dienstag in den Hamburger Messehallen nur auf die Anwälte. Carsten Rodbertus, der Gründer des insolventen Windkraftunternehmens Prokon, mag nicht mehr viel sagen. "Da spielt jetzt die Musik", sagt er. Ausgerechnet Rodbertus scheint kapituliert zu haben.

 

Eine der größten Gläubigerversammlungen der deutschen Wirtschaftsgeschichte wird durch die spektakuläre Niederlage des Gründers geprägt. Denn die Juristen verkünden an diesem Dienstag, dass das zuständige Amtsgericht rund 15.000 Genussrechteinhaber der Windenergie-Firma nicht als stimmberechtigt zulasse. Diese Stimmen aber waren der Rückhalt von Rodbertus gewesen, der mit ihrer Hilfe um die Zukunft seiner Firma kämpfen wollte. Ohne sie  hat Rodbertus den Machtkampf über den weiteren Sanierungskurs praktisch verloren. Das bedeutet zwar nicht das Ende für Prokon. Aber jetzt wird sich wahrscheinlich Rodbertus' Gegner, der Insolvenzverwalter, durchsetzen und über den Sanierungskurs bestimmen. Dietmar Penzlin will das Kerngeschäft von Prokon fortführen.

In Prokon hatten Anleger hohe Erwartungen gelegt: Gutes für die Energiewende tun – und zugleich satte Renditen kassieren. Mit hohem Werbeaufwand im Fernsehen, auf Bussen und in Straßenbahnen hatte das Unternehmen bei 75.000 Anlegern insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Genussrechtskapital eingesammelt. Das Geld steckte Prokon in Windkraftanlagen. Jährlich flossen acht Prozent Zinsen. Doch als viele Anleger angesichts der drohenden Krise ihr Investment zurückforderten, geriet das Unternehmen in Schieflage. Seit der Insolvenz müssen die Anleger um ihr Geld bangen.

Und nun steht die Frage im Raum: Was sagt die Prokon-Pleite über die gesamte Wind-Energie-Branche aus?

Für die Ökoszene ist Prokon seit Langem ein schwarzes Schaf. Schon vor Jahren fiel die fast komplette Finanzierung über Genussscheine und der völlig intransparente Umgang mit Zahlen dem Branchenverband auf. Im Streit gingen Prokon und der Bundesverband WindEnergie auseinander. "Prokon ist kein Beispiel für ein seriöses Windkraftunternehmen", sagt Jens Tartler, Sprecher des Bundesverbandes Erneuerbare Energie. "Was Herr Rodbertus angerichtet hat, ist nicht typisch für die Erneuerbaren Energien", bemüht sich Tartler um maximale Distanzierung.

"Völlig atypisch"

Die Windrad-Lobby ist bemüht, den Fall Prokon als "völlig atypisches Beispiel" darzustellen. Denn die Firmen sind weiter auf die Gelder von Investoren angewiesen, nicht nur an Land, sondern auch auf hoher See. Sie sorgt sich, dass sich Anleger von ihr abwenden. Und unbegründet ist das nicht: Deutsche Anleger sind bekannt dafür, auf der Suche nach hohen Renditen zunächst himmelhochjauchzend ihr Geld zu investieren – und nach schmerzhaften Verlusten bestimmten Anlagen jahrelang keinen Cent mehr zu geben.

Doch anders als die deutsche Solarbranche, die mit der übermächtigen Konkurrenz aus China nicht mithalten konnte, steht die Windenergie vergleichsweise gut da. "Windkraft ist nicht so angreifbar wie Solar", sagt auch Tartler vom Bundesverband. Ein Standard-Solarmodul kann ein asiatischer Produzent weitaus günstiger produzieren und dann kostengünstig nach Europa verschiffen.