Im Bestechungsprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat die Staatsanwaltschaft der Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage von 100 Millionen Dollar zugestimmt. Das gab Staatsanwalt Christian Weiß im Landgericht München bekannt. Mit Blick auf das hohe Alter des Angeklagten von 83 Jahren, die lange Verfahrensdauer und andere mildernde Umstände sei die Einstellung gerechtfertigt.

Auch die Verteidiger und Ecclestone selbst stimmten zu. Die Richter äußerten sich zunächst noch nicht dazu und zogen sich bis 13.00 Uhr zur Beratung zurück. Für die endgültige Einstellung müssten auch sie zustimmen. Ecclestones Anwalt Sven Thomas wies Vorwürfe zurück, der Formel-1-Chef wolle sich freikaufen. "Das ist kein Deal. Das hat mit Freikaufen nichts zu tun."

Für Ecclestone habe die Einstellung vor allem den Vorteil, dass das Verfahren sofort beendet sei und er sich wieder ganz auf seinen Chefposten bei der Formel 1 kümmern könne. Andernfalls hätte der Prozess womöglich noch lange dauern können. "Die Hände der Justiz können überaus klebrig sein", sagte Thomas.

Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, dass sich der Milliardär zur Zahlung der Rekordsumme von 100 Millionen Dollar bereiterklärt habe. "Ich weiß nicht, wie es ausgeht. Ich werde auf alle Fälle im Gericht sein", hatte Ecclestone der Bild-Zeitung gesagt.

Nach dem Gesetz kann ein Prozess bei kleineren und mittleren Straftaten eingestellt werden, wenn der Angeklagte keine schwere Schuld auf sich geladen hat und mit einer Geldzahlung "das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung" beseitigt. Bei einem solchen Freispruch zweiter Klasse gälte Ecclestone als unschuldig. Die Justiz würde einen langwierigen Rechtsstreit vermeiden, an dessen Ende nach ihrer aktuellen Einschätzung kein schweres Urteil stehen dürfte. 

Unzureichende Beweise

Denn die Staatsanwaltschaft tat sich seit Prozessbeginn im April schwer, dem Motorsportmanager Bestechung und Anstiftung zur Untreue nachzuweisen. Mehrere Zeugen stützten Ecclestone, der die Vorwürfe zurückweist.

Hintergrund des Verfahrens ist der Besitzerwechsel der Formel 1 vor acht Jahren. Ecclestone soll den damaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar geschmiert haben. Dieser soll als Gegenleistung in der Bank durchgeboxt haben, dass sie ihren Formel-1-Anteil an Ecclestones Wunsch-Investor CVC verkaufte. Das Geld sollen die Männer aus den Kassen der Bank abgezweigt haben. Während Ecclestone nun ohne Verurteilung davonkommen könnte, wurde Gribkowsky von derselben Strafkammer zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.