Aus Berggruens eigener Sicht hat ihn das Engagement vor allem etwas gekostet: sein Image, das erheblich gelitten habe. Rein finanziell hat Berggruen wohl bei Karstadt weder Geld verdient noch Geld verloren. Er wird dieses Kapitel in etwa mit Plus-Minus-Null abschließen. Er zahlte beim Einstieg den symbolischen Kaufpreis von einem Euro und steckte kein weiteres Geld in das Unternehmen. Den Vorwurf, er habe nicht investiert, wies Berggruen allerdings zurück. Karstadt habe bei seinem Einstieg 65 Millionen Euro als Kredit für ein Jahr bekommen. Seit 2010 habe das Unternehmen rund 400 Millionen Euro investiert. "Geld war also genug da", sagte Berggruen der "Bild"-Zeitung. Er habe die Lage unterschätzt und erst nach der Übernahme festgestellt, dass Karstadt "in einem noch viel schlechteren Zustand war, als wir geglaubt hatten".

Die Gewerkschaft Verdi widerspricht dieser Darstellung. So habe die kurzzeitige Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt für das von ihr vorgelegte Zukunftskonzept eben keine Investitionsmittel erhalten, sagte Verdi-Vertreter Arno Peukes.

Was wird nun aus dem Karstadt-Konzern?

René Benko ist ein Immobilienunternehmer, hat aber in Österreich bereits Erfahrung mit dem Einzelhandel gemacht – und ist ja auch schon bei Karstadt engagiert. Im Grunde sind sich alle Handelsexperten einig, dass er vor allem schnell handeln muss. Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg macht vor allem Managementfehler für die Misere verantwortlich. "Dass jetzt neue Einschnitte bei den Beschäftigten vermieden werden können, kann ich mir nicht vorstellen", sagte er. Die Warenhäuser an sich hält er dagegen für überlebensfähig. "Das Konzept Warenhaus ist so zeitgemäß wie es das Angebot in den Filialen ist."

Gerrit Heinemann ist skeptischer. Er ist überzeugt, dass sich die Warenhäuser neu erfinden müssen – ähnlich wie es Macy’s in den USA getan habe mit seiner Digitalisierungsstrategie und der engen Verknüpfung von online und stationärem Handel. Heinemann erwartet aber eher, dass Benko von der Immobilienseite her kommen und die Warenhäuser zu Einkaufszentren umfunktionieren wird. "Aber das geht nicht mit Karstadt", sagte Heinemann. Das klassische Warenhaus jedenfalls habe keine Zukunft: "Das ist keine Entscheidung, die ein Investor treffen muss, das entscheiden die Kunden."

Christoph Meyer, Geschäftsführer der auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten CM Best Retail Properties GmbH in Berlin und ehrenamtlicher Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses der IHK der Hauptstadt sieht nach der Übernahme durch Benko durchaus Chancen für Karstadts Zukunft. Dass Immobilienbesitz und Handel wieder zusammengingen, schaffe eine neue Manövrierfähigkeit und ermögliche ein "Feintuning". "So können Flächen in den Häusern auch hochpreisig an Interessenten aus dem Einzelhandel vermietet werden. Ich sehe einen Wandel in Warenhäusern, sie werden immer mehr zu Shoppingcentern." Die aktuelle Entwicklung sei ein Zeichen dafür, "dass Karstadt es schafft. Benko wird das Unternehmen nicht schlachten."