Was Arbeitskämpfe betrifft, ist Deutschland ein relativ friedliches Land. In Frankreich wird viel mehr gestreikt, und selbst im kapitalistischen Großbritannien gehen Beschäftigte häufiger in den Ausstand. Zwar sind die Statistiken nicht direkt vergleichbar. Aber Schätzungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Boeckler-Stiftung zeigen den Unterschied deutlich.

In Deutschland fielen dem WSI zufolge zwischen 2005 und 2012 im Jahresdurchschnitt pro 1.000 Beschäftigten 16 Arbeitstage durch Arbeitskämpfe aus. In Frankreich waren es 150 Tage, in Kanada 117, in Dänemark 106 und in Großbritannien 26 Tage. Im vergangenen Jahr ist das Ausmaß der Streiks hierzulande sogar noch gesunken. Rund eine Million Arbeitnehmer beteiligten sich an Streiks oder Warnstreiks, im Jahr davor waren es noch rund 200.000 mehr. 2013 fielen durch Arbeitskämpfe 551.000 Arbeitstage aus, 80.000 Tage weniger als im Vorjahr.

Die WSI-Statistik zeigt auch: Im Einzelhandel wurde im vergangenen Jahr am längsten gestreikt. Zwischen Mai und Dezember gab es immer wieder Arbeitskampf-Aktionen in mehr als 900 Handelsbetrieben. Die größten Warnstreiks gab es in der Metall- und Elektroindustrie, zu der beispielsweise der Fahrzeug- und Maschinenbau gehören.    

Unsere Infografik, vom Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt, basiert auf Daten der Bundesagentur für Arbeit. Sie richtet sich nicht nach den Berufsgruppen, nach denen sich die Gewerkschaften organisieren, sondern nach den sogenannten Wirtschaftszweigen – also nach Branchen. Wir zeigen die Branchen mit den meisten Streiktagen im vergangenen Jahr, und dazu die Luftfahrt. Die Grafik zeigt, wie viele Streiktage es in jedem ausgewählten Wirtschaftszweig im vergangenen Jahr gab und wie viele Arbeitnehmer beteiligt waren. 

Natürlich gibt es in Deutschland viel mehr Metaller oder Verkäuferinnen als Piloten – schon alleine deshalb führen sie die Statistiken an. In der öffentlichen Wahrnehmung haben Pilotenstreiks dennoch viel Gewicht, vielleicht gerade weil hier wenige Menschen durch einen Ausstand eine große Wirkung erzielen können. Manch einer findet deshalb, die Piloten hätten zu viel Macht. Unsere Grafik rückt die Dinge wieder ein wenig zurecht. Sie zeigt: In anderen Branchen sind die Arbeitskämpfe weitaus heftiger und länger als in der Luftfahrt.