Es ist nicht so, dass die Warenhausbetreiber nicht reagiert hätten. Mit dem Shop-im-Shop-Konzept will man sich seit einigen Jahren Einkaufscentern annähern, eine Idee, die Berichten zufolge auch der neue Karstadt-Eigentümer Benko weiterführen will. Das funktioniert aber nur dort, wo beispielsweise Esprit oder S.Oliver nicht vor Ort selbst noch eigene Shops betreiben.

Außerdem müssen auch für ein solches Konzept Standort und Gebäude attraktiv genug sein, sonst ziehen die Ketten eher in die schicke Shoppingmall statt in den Shop-im-Shop eines in den sechziger Jahren hochgezogenen Warenhauses. Benko müsste also mit viel Geld die Häuser modernisieren.

Punkten kann ein Warenhaus vor allem mit Produkten, die ein Kunde vor Ort nicht noch anderswo bekommen kann – diese Nische kann in Iserlohn aber eine andere sein als in Schwäbisch Hall, in Bamberg eine andere als in Peine. Darum sollten die einzelnen Häuser flexibler werden und die Filialleiter mehr Entscheidungsbefugnisse bekommen, rät Joachim Hurth von der Ostfalia Hochschule.

Kaufhäuser für Ältere – oder die Marke verjüngen?

Die entscheidende Frage wird sein, ob Karstadt sich das leisten kann. Eine Flexibilisierung würde die Kosten deutlich erhöhen, gerade für einen Warenhauskonzern wie Karstadt, der auf standardisierte Konzepte und hohe Einkaufsvolumen setzt. Trotz der Standardisierung sind die Kosten jetzt schon zu hoch, sodass Karstadt im Geschäftsjahr 2012/2013 einen Fehlbetrag von 131 Millionen Euro auswies.

Zudem würde eine Ausrichtung auf Nischen weg vom Warenhaus-Konzept führen – über Jahrzehnte hinweg haben die Karstadt-Häuser sich etabliert als Stätten, in denen man alles bekommt, von Elektronik bis Papeterie.

Unter diesen Umständen fällt es selbst Experten schwer, sinnvolle Lösungen für die Probleme von Karstadt zu finden. Die einen schlagen vor, der Konzern solle sich auf die ältere Kundschaft ab 60 Jahren aufwärts konzentrieren – die anderen empfehlen eine Verjüngung des Images. Zum Beispiel Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: "Die jüngere Käuferschaft ab 30 ist die zentrale Zielgruppe, die Karstadt erschließen muss, aber ohne die älteren Bestandskunden zu vergraulen", sagt er.

Genau das versuchte der unter dem zwischenzeitlichen Eigner Nicolas Berggruen installierte Karstadt-Chef Andrew Jennings – und scheiterte kolossal. Das sei aber kein Beleg dafür, dass die Orientierung an den Jüngeren per se falsch sei, sagt Roeb. Jennings habe halt nicht die richtigen Marken gewählt. "Wenn das Angebot stimmt, wird sich das unter den Jüngeren herumsprechen. Dann gehen die auch wieder zu Karstadt", glaubt er.