Der frühere Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen sieht den Widerstand der Gewerkschaften gegen Reformen als eine wesentliche Ursache bei der gescheiterten Sanierung des Warenhauskonzerns. "Wir haben Karstadt mit sehr vielen Zusagen und Bedingungen übernommen", sagte Berggruen der Süddeutschen Zeitung. "Wir hatten zugesagt, dass wir keine Standorte schließen und in den ersten beiden Jahren alle Mitarbeiter behalten."

Diese Zusagen hätten aber von 2013 an zu Problemen geführt. "Jede strukturelle Änderung, die wir eingefordert haben, stieß auf Widerstand", sagte Berggruen. "Unser Fehler war eher,  dass wir nicht frühzeitiger und entschiedener bei der Sanierung vorgegangen sind und im Grund notwendige Einschnitte vermeiden haben."

Berggruen verteidigte sich gegen die Kritik der Gewerkschaften, die erleichtert waren über seinen Ausstieg als Investor. "Wir haben uns gut benommen", sagte er. Der neue Eigentümer René Benko und seine Signa-Holding würden es einfacher haben. "Signa ist jetzt keine Kompromisse eingegangen mit den Mitarbeitern und ver.di", sagte Berggruen. Wenn Signa nun Einschnitte plane, werde ver.di vielleicht auch nicht glücklich sein. "Am Ende müssen sich die Gewerkschaften überlegen, was gut für Karstadt ist", sagte er.

Marktbedingungen falsch eingeschätzt

Der in den USA lebende Milliardär Berggruen hatte Karstadt 2010 übernommen. Er galt als Hoffnungsträger für den Konzern, doch sieht er seine Rolle als Retter überschätzt. "Viele Menschen haben geglaubt, ich sei ständig in Deutschland und kümmere mich persönlich um das Management und säße am Ende sogar an der Kasse", sagte er der Zeitung. Dabei habe er sich immer als Investor verstanden, nicht aber als der operative Karstadt-Manager.

Letztendlich habe auch das Management die Bedingungen für Karstadt nicht richtig eingeschätzt. "Deutschland ist ein sehr spezieller Markt – das haben wir schmerzlich lernen müssen. Das ist auch mein Fehler", sagte Berggruen. Die Frage sei, ob auch angesichts der Konkurrenz aus dem Internethandel es wie bisher in fast allen deutschen Städten noch ein Warenhaus geben könne. 

"Kein finanzieller Erfolg"

Die Kritik habe er als hart und bisweilen unerbittlich empfunden, sagte Berggruen. Auch deshalb werde er wohl nicht mehr in Unternehmen in Deutschland investieren, sondern sich für gemeinnützige Projekte einsetzen. "Wenn ich mich in Deutschland in Zukunft engagiere, dann sicher vor allem im Bereich der Philanthropie", sagte er.

Ein gutes Geschäft sei Karstadt nicht für ihn gewesen. "Für den Verkauf der Lizenzrechte am Namen Karstadt habe er weniger als die kolportierten 40 Millionen Euro bekommen. "Am Ende des Tages war Karstadt kein finanzieller Erfolg für mich", sagte Berggruen.