Eigentlich war das Ziel von Barack Obamas Afrika-Gipfel klar. Das Treffen sollte US-Firmen den Weg ebnen zu neuen Geschäften. Sie haben in Afrika viel aufzuholen. Bislang war der Kontinent, wirtschaftlich gesehen, für die Vereinigten Staaten ein blinder Fleck. Konkurrent China hingegen beutete die Rohstoffvorkommen aus und vergab Kredite für den Ausbau der Infrastruktur: Straßen, Brücken und Häfen, die dann für den Export der Bodenschätze genutzt wurden.   

Den Rückstand will Obama aufholen und vereinbarte auf seinem Gipfel Rekordinvestitionen. Insgesamt 33 Milliarden Dollar wollen Unternehmen und die Regierung der Vereinigten Staaten locker machen, rund ein Drittel davon für den Ausbau der Stromversorgung. Im Gegenzug verspricht der US-Präsident den Empfängerländern Entwicklung. Auf dem Gipfel schien er bemüht, den afrikanischen Staaten die USA als besseren Handelspartner schmackhaft zum machen. "Wir blicken nicht nur wegen der Rohstoffe auf Afrika. Wir erkennen Afrika wegen seiner größten Ressource an – seinen Menschen, seinen Talenten und seinem Potenzial", sagte er.

Das war am Dienstag. Am gleichen Tag signalisierte die chinesische Regierung demonstrativ, dass die USA im Spiel um Afrika auch künftig mit ihr zu rechnen hat. Einem Bericht der Financial Times zufolge bot China den Vereinigten Staaten eine Zusammenarbeit an. "China hat die USA eingeladen, in der Finanzierung und dem Bau von Infrastrukturprojekten in Afrika und anderen Teilen der sich entwickelnden Welt zu kooperieren", schrieb das Blatt. 

China will den Mega-Staudamm

Kern des chinesischen Vorschlags ist ausgerechnet ein Mega-Projekt zur Stromversorgung: der Inga-3-Staudamm in der Demokratischen Republik Kongo. Damit berührt die mögliche Kooperation unmittelbar die Power-Africa-Initiative, die im vergangenen Sommer von Obama persönlich aus der Taufe gehoben wurde. Durch sie sollen 60 Millionen Haushalte und Unternehmen mit Strom versorgt werden, sagte der US-Präsident auf dem Afrika-Gipfel.

Inga-3 soll Medienberichten zufolge rund zwölf Milliarden Dollar kosten. Er ist der erste von mehreren Staudämmen, die zusammen größer werden sollen als der chinesische Drei-Schluchten-Staudamm, und die mindestens genauso umstritten sind. Kritiker warnen vor Korruption und den voraussichtlichen ökologischen Schäden. Zudem bezweifeln sie, dass der Damm – genauso wie die gesamte Initiative zur Stromversorgung Afrikas – tatsächlich den Anwohnern zugutekommt und nicht nur den exportierenden Unternehmen.

Das Volumen des gesamten Projekts beläuft sich auf angeblich 80 Milliarden Dollar. Es ist ein Riesenprojekt, und chinesische Firmen bewerben sich um den Auftrag zum Bau. Die USA ihrerseits scheinen an dem Angebot zur Kooperation, was Inga betrifft, durchaus interessiert. Schon seit Monaten sprechen sie Medienberichten zufolge mit China darüber. Jetzt scheinen die Verhandlungen an Kraft zu gewinnen.

"Noch nie dagewesene" Initiative

Die Offerte, über die in der Financial Times nun berichtet wird, umfasst freilich nicht nur den Damm. Das Blatt bewertet sie als eine "noch nie dagewesene" Initiative mit "potenziell durchschlagenden Folgen für die Zukunft der internationalen Entwicklungshilfe" – potenziell heißt: sollte die angestrebte Kooperation tatsächlich zustande kommen. 

China war in der Vergangenheit für seine Art der Afrikapolitik stark kritisiert worden. Generell bestand das Modell darin, in bilateralen Vereinbarungen Kredite an afrikanische Länder zu vergeben. Das Geld wurde dann genutzt, um Rohstoffe auszubeuten oder dringend nötige Infrastruktur aufzubauen – das Geschäft machten allerdings zumeist chinesische Firmen. Nach wie vor fließt der größte Teil der chinesischen Investitionen in Afrika in derartige Projekte. 

Hintergrund des Wettrennens ums Geschäft sind die guten wirtschaftlichen Aussichten Afrikas. Sechs der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt seien dort zu Hause, sagen Experten, und in etlichen Ländern gibt es eine rapide wachsende Mittelschicht mit wachsender Kaufkraft. Alles in allem prognostiziert die Weltbank für dieses Jahr rund fünf Prozent Wirtschaftswachstum.

Weite Teile des Kontinents sind allerdings immer noch nicht in die globale Wirtschaft integriert. Aus Sicht der Regierungen und Unternehmen reicherer Staaten steckt darin ein enormes Marktpotenzial, das es zu erobern gilt. Neben China sind Europa und Indien schon lange in Afrika aktiv. Das Handelsvolumen der Vereinigten Staaten mit dem ganzen Kontinent hingegen ist, so sagt Obama, bislang nur so groß wie jenes mit Brasilien. Nur rund ein Prozent der amerikanischen Exporte landen in Afrika südlich der Sahara. "Wir müssen besser werden, viel besser."