Der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck fordert eine Kehrtwende bei der Suche nach einem Endlager für den Atommüll. Die Entscheidung für einen Standort müsse revidierbar sein, sagt der Grünen-Politiker der ZEIT. Habeck begründet seine Forderung mit dem Argument, eine absolut sichere Lagerung des Atommülls sei ausgeschlossen. Womöglich gebe es in Zukunft bessere Lösungen. Dann sollte es möglich sein, den Atommüll "problemlos wieder aus dem Lager zu holen."    

Laut Standortauswahlgesetz soll das nukleare Lager Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleisten. "Wer das glaubt, gaukelt sich und anderen etwas vor", sagt Habeck, der Mitglied der Endlagersuchkommission ist. Das Eingeständnis, bei der Lagersuche könne nur die nach heutigem Wissen bestmögliche Lösung gefunden werden, könne die Akzeptanz eines Standortes sogar wachsen lassen. Er plädiert zudem dafür, nicht mehr von Endlagerung zu sprechen, "sondern nur noch von langfristig sicherer Lagerung".


Habeck spricht sich nicht kategorisch gegen den Standort Gorleben aus. Er plädiert allerdings dafür, die Verantwortung für die möglichst sichere Verwahrung nach bestem heutigen Wissen zu übernehmen. "Dass das Gorleben ist, bezweifle ich sehr", sagte Habeck.

Grünen-Politiker Wenzel fordert mehr Zeit bei Suche nach Atomlager

Der niedersächsische Umweltminister forderte mehr Zeit für die Suche nach einem Atomlager. "Wir müssen damit rechnen, dass wir zwei bis drei Jahrzehnte länger brauchen als im Standortauswahlgesetz eingeplant", sagte Grünen-Politiker Stefan Wenzel der Neuen Presse. Er verwies nach einer Reise in die Schweiz auf dort gemachte Erfahrungen, wonach zunächst viel intensivere Forschungen notwendig seien.

Die bisherige Planung, die Standortsuche für ein Endlager bis zum Jahr 2031 abzuschließen sei deswegen unrealistisch. "Das halte ich für nicht machbar", sagte Wenzel. Er glaube, dass dies "erst in den fünfziger und sechziger Jahren dieses Jahrhunderts der Fall sein wird". Deswegen müsse auch die Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle "grundsätzlich neu überdacht werden". Die bisher dabei eingeplanten Zeiträume seien "schlicht und einfach zu kurz".

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) widersprach der Forderungen aus Niedersachsen. "Wir dürfen die Entscheidung darüber, wohin der Atommüll letztendlich soll, nicht auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben", erklärte sie in Berlin. Sie halte nichts davon, den beschlossenen Zeitplan jetzt wieder infrage zu stellen. "Der im Standortauswahlgesetz vorgesehene Termin, bis 2031 ein Endlager festzulegen, ist ehrgeizig, erlaubt aber einen intensiven und verantwortungsvollen Suchprozess", sagte Hendricks.