Als diese Grafik entstand, schien die Welt noch friedlicher als heute. Kaum etwas deutete im vergangenen Jahr darauf hin, dass in der Ukraine ein Krieg ausbrechen, die EU und USA Russland mit wirtschaftlichen Sanktionen belegen – und dass Russland im Gegenzug ein Importverbot für landwirtschaftliche Produkte aus dem Westen verhängen würde. Seit dem 7. August ist die Einfuhr von Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Obst und Gemüse aus den USA, der EU, Kanada, Australien und Norwegen nach Russland verboten. In manchen russischen Supermärkten werden seither Waren knapp.  

Aber auch der Westen spürt die wirtschaftlichen Folgen des Handelskriegs. Die Ukraine-Krise belastet die Konjunktur, und das russische Importverbot betrifft einen beträchtlichen Teil der Agrar- und Nahrungsexporte. Im vergangenen Jahr lieferte die Europäische Union zehn Prozent ihrer Ausfuhren an Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren nach Russland. Nur die USA waren als Absatzmarkt noch wichtiger. Das zeigt die Infografik, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat.

Vor allem die Bauern aus Polen, dem Baltikum und Mittelmeerländern wie Spanien, Italien und Griechenland befürchten wegen des russischen Importverbots Einbußen. Aus Deutschland werden offenbar vor allem verarbeitete Lebensmittel nach Russland geliefert. Anfang August erklärte der Deutsche Bauernverband noch, er erwarte eine eher begrenzte Auswirkung der Sanktionen auf die deutschen Landwirte. Inzwischen aber werden die indirekten Folgen sichtbar. Europäische Produzenten, die nicht mehr in den Osten liefern können, weichen auf den heimischen Markt aus. Das Angebot steigt – und das verleiht dem Handel die Macht, die Preise zu senken. Das trifft auch die deutschen Bauern.