Am Donnerstag entscheiden die Schotten darüber, ob Schottland das Vereinigte Königreich verlässt oder Teil von ihm bleibt. Die Scottish National Party (SNP) rechnet den Schotten vor, dass sich die Unabhängigkeit lohnt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf liege in Schottland mit etwa 23.300 Pfund (29.340 Euro) um 2.300 Pfund höher als im gesamten Königreich. Schottland würde es damit unter die zehn stärksten Ländern der OECD schaffen, knapp hinter Deutschland mit einem BIP pro Kopf von 33.343 Euro. Die Rechnung geht allerdings nur auf, wenn man die Gewinne aus dem Öl- und Gasgeschäft vor der schottischen Küste in das BIP miteinbezieht. 

Das Geschäft mit Öl und Gas vor der Küste (offshore) macht gut 17 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Schottlands aus (unsere Infografik zeigt nur die Struktur der Onshore-Wirtschaft Schottlands, nicht offshore). 25 Prozent der EU-weiten Offshore-Windkraft und der Gezeitenenergie sowie zehn Prozent der Energie aus Wellenkraftwerken könnten in Schottland produziert werden, schätzt die Regierung in Edinburgh.

Doch womit macht die schottische Wirtschaft überhaupt Geschäfte? Wie in anderen etablierten Volkswirtschaften spielen Dienstleistungen eine große Rolle, wie die obige Infografik zeigt, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Regierungs- und andere Dienstleistungen sowie der Finanzsektor machen zusammen bereits gut die Hälfte aus. Insgesamt erwirtschaftet der Dienstleistungsbereich mehr als 70 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das produzierende Gewerbe kommt dagegen nur auf zwölf Prozent. Die Landwirtschaft ist völlig irrelevant: Ackerbau, Forstwirtschaft und Fischerei tragen gerade mal ein Prozent zur schottischen Wirtschaftsleistung bei.

Ob Schottland ein eigener Staat wird, ist kurz vor dem Referendum völlig offen. In einer neuen Umfrage lagen diejenigen, die sich für den Verbleib im Vereinigten Königreich aussprechen, mit 45 Prozent knapp vorn; 41 Prozent sind für die Abspaltung. Der Rest – immerhin 14 Prozent – ist noch unentschlossen.