Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn hat der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, einen weiteren Warnstreik "in den nächsten Tagen" angekündigt. Dabei werde die GDL den Ausstand zwar vorher bekanntgeben, dieser Zeitraum werde aber nicht viel länger als 14 Stunden sein, sagte Weselsky im ZDF.

Den ersten, dreistündigen Warnstreik hatte die GDL am frühen Montagmorgen angekündigt – 14 Stunden vor Beginn. Damit habe die Gewerkschaft nicht nur den betroffenen Fahrgästen, sondern auch dem Arbeitgeber Gelegenheit gegeben, sich darauf vorzubereiten. "Viel länger ist aus unserer Sicht nicht gut, denn dann fängt die Bahn an, ganz andere Dispositionsmaßnahmen zu ergreifen."

Die GDL fordert für die rund 37.000 Lokführer, Zugbegleiter und Rangierführer fünf Prozent mehr Lohn, aber auch eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei auf 37 Stunden sowie bessere Schichtpläne. Die konkurrierende Eisenbahnergewerkschaft EVG verlangt sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro im Monat. Sie will zudem für alle Beschäftigtengruppen verhandeln.

Lokführer gehören keinesfalls zu den Spitzenverdienern: Gleich qualifizierte Arbeitnehmer verdienen laut Statistischem Bundesamt im deutschlandweiten Schnitt etwa 2.700 Euro. Lediglich bei der Deutschen Bahn angestellte Lokführer erreichen dieses Niveau. Die Triebfahrzeugführer der privaten Bahn-Konkurrenz erhalten laut GDL etwa 30 Prozent weniger.     

Dauerstreit konkurrierender Gewerkschaften

Das Einstiegsgehalt liegt bei mindestens 2.097 Euro brutto im Monat. Hinzu kommen Wochenend-, Feiertags- und Schichtzuschläge. Nach 25 Jahren verdienen Lokführer, je nach Qualifikation, höchstens 3.328 Euro brutto monatlich. 

Der Beruf ist einerseits über eine klassische Ausbildung, die drei Jahre dauert, zu erlernen. Hier reicht ein einfacher Schulabschluss. Der zweite Weg ist eine neunmonatige Fortbildung. Hierfür ist ein Ausbildungsabschluss in einem technischen Beruf Voraussetzung.

Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn geht es nicht nur um höhere Löhne, sondern vor allem um den Machtkampf zwischen der GDL und der konkurrierenden EVG. Sie streiten darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf. Ein Verhandlungsangebot der Bahn hatte die GDL im August zurückgewiesen.