Die großen Industrienationen haben in den vergangenen Jahrzehnten ihre finanzielle Unterstützung für Landwirte stark reduziert. Wie Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigen, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE aufbereitet hat, haben sich die Zuschüsse im Vergleich zu den Neunziger Jahren fast halbiert. Laut aktuellem OECD-Agrarbericht lag der Anteil staatlicher Subventionen an den Betriebseinnahmen im vergangenen Jahr im Schnitt bei 18 Prozent. Vor zwei Jahrzehnten waren es noch 30 Prozent.

Auffällig ist allerdings, wie stark die EU weiterhin ihre Landwirte finanziell unterstützt. In den (damals noch) 27 EU-Staaten erhielten Landwirte im Schnitt mehr finanzielle Mittel als in den 34 OECD-Staaten – und vor allem im Vergleich zu den USA. Dort haben marktunterstützende Eingriffe weitaus weniger Tradition, entsprechend niedriger ist der Anteil der sogenannten Produzentenförderung.              

Es sind beeindruckende Summen, die die Landwirte noch immer kassieren: Insgesamt erhielten sie im vergangenen Jahr in den OECD-Staaten 258 Milliarden Dollar. Die Hälfte dieser Gelder – und das kritisiert die OECD scharf –  habe eine marktverzerrende Wirkung auf Produktion und Handel. Das lässt sich etwa in den Beziehungen zwischen der EU und Afrika beobachten: Teilweise landen nur durch die finanzielle Unterstützung seitens der Regierungen europäische Agrarprodukte auf dem Weltmarkt. Sie verdrängen dort Waren aus Afrika, die wegen zu hoher Kosten im Wettbewerb nicht mithalten können.     

Das Tempo, mit dem Industrienationen marktverzerrende Subventionen abbauen, unterscheidet sich übrigens immens. Länder wie Australien, Chile oder Neuseeland bieten inzwischen ihren Bauern nur noch eine Art Sicherheitsnetz an, das etwa im Fall von Unwetterschäden finanzielle Ausfälle auffängt. Hier liegt der Anteil staatlicher Gelder an den Bruttobetriebseinnahmen bei nur drei Prozent.

In Island, Japan, Korea und Norwegen sind es dagegen mehr als 40 Prozent. Das mag auch daran liegen, dass diese Länder sich teilweise noch immer eine teure Walfangflotte leisten. Die OECD mahnt in diesem Zusammenhang an, dass Staaten bei der Verteilung ihrer Steuergelder stärker auf den Schutz von Umwelt und Ressourcen achten sollten.