Die neuen Sanktionen gegen Russland könnten der deutschen Wirtschaft nach Ansicht des Deutsche Industrie- und Handelskammertags (DIHK) deutlich schaden. Das Geschäftsklima habe sich aufgrund der aktuellen Krise bereits deutlich eingetrübt, sagte DIHK-Osteuropa-Experte Tobias Baumann der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Die Sanktionen sorgen zusätzlich für Verunsicherung." Noch sei nicht absehbar, wie groß der dadurch verursachte wirtschaftliche Schaden tatsächlich sein werde. Besonders der deutsche Maschinen- und Anlagenbau sowie die Autobranche würden unter den Folgen der Sanktionen leiden, sagte Baumann. Die EU-Kommission will an diesem Mittwoch weitere Sanktionen gegen Russland vorschlagen, über die bis Ende der Woche entschieden werden soll.

Auch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer erwartet durch die Ukraine-Krise Probleme für die deutsche Wirtschaft. "Die konjunkturellen Aussichten trüben sich derzeit etwas ein", sagte Kramer der Rheinischen Post. Dies zeigten etwa zurückgehende Auftragsbestände in der Industrie. "Gleichzeitig nehmen die Risiken im außenwirtschaftlichen Bereich infolge geopolitischer Krisen zu." Laut Kramer geht die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) davon aus, dass das für dieses Jahr erwartete Wachstum von zwei Prozent im kommenden Jahr nicht mehr erreicht werden kann. 

Mögliche Auswirkungen der Sanktionen auf die deutsche Wirtschaft waren auch Thema bei einem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern am Dienstagabend in Berlin. Gabriel hatte zuvor gesagt, dass die Fundamentaldaten der deutschen Wirtschaft weiter gut seien. Es seien aber Auswirkungen der geopolitischen Krisen auch in Deutschland spürbar.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato kommen am Donnerstag in Wales zu einem zweitägigen Gipfeltreffen zusammen, um über die Konsequenzen aus der Ukraine-Krise zu beraten. Das Bündnis will seine militärische Reaktionsfähigkeit in Krisensituationen deutlich beschleunigen. Ob und wie viele Soldaten dafür zusätzlich in den östlichen Mitgliedstaaten stationiert werden, ist noch unklar. Vor allem Polen und die baltischen Länder, die an Russland grenzen, fühlen sich bedroht.   

Mehrheit der Deutschen befürchtet Invasion Russlands

Auch in Deutschland ist die Sorge vor einer russischen Invasion in der Ostukraine groß. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur glauben 65 Prozent, dass Moskau nach der Krim weitere Teile des Nachbarlandes besetzen und unter seine Kontrolle bringen werde. Trotzdem ist die Hälfte der Bundesbürger (51 Prozent) gegen eine Verstärkung der Nato-Präsenz in den östlichen Mitgliedstaaten, jeder Dritte (33 Prozent) ist dafür. 

Die Mehrheit der Befragten lehnt eine größere militärische Verantwortung Deutschlands in der Welt ab. 57 Prozent sprachen sich dagegen aus, nur 30 Prozent waren dafür.